Über mich

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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Samstag, 8. Oktober 2016

Wieviele Hobbys braucht ein Kind?

Seit einem Jahr hat Elisa einen grossen Wunsch: Geige zu lernen. Nun freute ich mich ja sehr über ihr Interesse ein Instrument zu spielen. Es sprechen aber auch ein paar kleinere Dinge gegen die Geige: Im Gegensatz zur Blockflöte oder zum Klavier dauert es relativ lange, bis man schöne Klänge oder sogar ganze Lieder herausbringt. Zudem kostet der Geigenunterricht hier 700 Franken im Semester. Plus Leihgebühr für das Instrument. Und viele Pädagogen empfehlen, nicht gerade zeitgleich mit dem Schulstart mit einem Instrument zu beginnen. Das überfordere das Kind.

In Deutschland beginnen viele Kindergarten-Kinder, so wie auch ich damals, mit etwa fünf Jahren mit dem Blockflötenunterricht. Hier in Zürich ist das aber anscheinend nicht üblich. Selbst die Musikschule, die ja eigentlich am Umsatz interessiert ist, empfahl das Lernen eines Instruments erst ab der 2. oder 3. Klasse. In der 1. Klasse gebe es ja den normalen Grund-Musikunterricht in der Schule, quasi als Basis. Und vorher bei Interesse den Musikkindergarten. Die Kinder sollten zudem erst lesen lernen, bevor sie Noten lesen lernen. Wobei mir dieses Argument nicht ganz einleuchtet, denn ich habe damals ohne Probleme mit fünf das Notenlesen gelernt.

Wieviel freie Zeit ist richtig?

Klar, ein Instrument zu spielen bringt Spass. Aber noch viel mehr. So haben Zürcher Forscher herausgefunden, dass Menschen, die ein Instrument spielen, auch leichter Fremdsprachen lernen. Auch die sportliche Betätigung ist überaus wichtig. Die Kinder sitzen heute zu lang, was Koordinations- und Haltungsschäden mit sich bringt. Zudem hängen auch sportliche Betätigung und geistige Leistungsfähigkeit zusammen.

Nun haben manche Kinder aber heutzutage einen derart prall gefüllten Nachmittagskalender, dass für das freie Spiel und das Ausruhen gar keine Zeit mehr bleibt. Was also tun, um das Kind nicht zu über- oder unterfordern? Elisa hat immerhin dreimal wöchentlich nachmittags Unterricht und einmal Hort bis viertel vor drei. Wo bleibt da freie unverplante Zeit? Ein Sohn von Bekannten schafft es bei diesem Pensum sogar fünf verschiedene Hobbys einzubauen. Mir sind jedoch auch "langweilige" Abhängphasen, in denen das Kind zuhause quasi mal für ein, zwei Stunden ohne elterliche oder sonstige Anregungen sich selbst überlassen ist, wichtig. Denn eben aus dieser Langeweile heraus lernen Kinder ja erst die Fähigkeit zur Kreativität.

Wir machen es jetzt so: Samstags ist Schwimmen und Donnerstags Geigenunterricht. Also einmal Sport und einmal Musik. Dafür hat sie mittwochs schon um 11:05 Schulschluss und dann wirklich einen sehr langen Nachmittag zur freien Verfügung oder zum Verabreden mit Freunden. 
Übrigens meinte unser Kinderarzt, dass die Geigenstunde ja gar nicht unbedingt eine zusätzliche Lern-Belastung darstellen müsse, sondern quasi auch eine Art Ausgleich zum Schulstress sein kann.

Freitag, 2. September 2016

Die ersten Tage in der Primarschule

Nach Elisas anfänglicher Skepsis gegenüber der Schule, geht sie seit dem zweiten Tag recht gern hin. Der Stundenplan ist, wie ich finde, mit 24 reinen Unterrichtsstunden (davon 3 Mal nachmittags) ziemlich voll. So hat sie zum Beispiel auch am Freitagnachmittag noch bis halb vier Schule.
Montags und dienstags geht sie mittags in den Hort. Sie kennt ihn schon aus Kindergarten-Zeiten. Er befindet sich ebenfalls auf dem Kindergarten-Gelände und ist für Kinder vom ersten Chindsgi-Jahr bis zur dritten Klasse. Dafür hat sie mittwochs nur drei Stunden und kommt schon um viertel nach elf nach Hause. Dies ist auch mein freier Tag, so dass Elisa, Brudi und ich zusammen essen können. Donnerstags isst sie ebenfalls bei mir und freitags wechseln sich mein Mann und der Vater ihrer Freundin mit dem Mittagstisch ab. Klar, etwas neidisch bin ich schon auf die Hamburger Ganztagsschulen, aber so kommen wir immerhin auch unter der Woche zweimal wöchentlich in den Genuss eines gemeinsamen Mittagsessens, wo ich sonst ja schon ziemlich viel am Arbeiten bin.

Adé Schreibschrift

Morgens geht sie meistens gemeinsam mit anderen Kindern aus der 1a und 1b zur Schule. Nachmittags zuweilen auch allein, wenn sie schon früher Schluss hat als ihre Freunde. Am dritten Tag fand bereits der Elternabend statt. Zuerst gab der Direktor für die Eltern beider Klassen generelle Infos zur Primarschule. Danach zwängten wir uns auf die Erstklässler-Stühle unserer Kinder. Die Lehrerin erläuterte, nach welchen Methoden sie unterrichtet. So wird das Schreiben und Lesen lernen ganz anders unterrichtet als in meiner Schulzeit. Wir begannen damals mit den Buchstaben F und U. Und der sogenannten Socken-Puppe Fu. Später kamen immer mehr Buchstaben hinzu, bis wir den Satz schreiben und lesen konnten "Fu ruft Fara".
Elisa bekommt jedoch eine Buchstabentabelle, bei der neben jedem Buchstaben ein entsprechendes Symbol steht. Zum Beispiel V = Vogel. Anhand dieser suchen sie sich nun die Buchstaben zusammen und setzen die Wörter zusammen. So hat Elisa bereits am dritten Tag einen ersten kleinen Brief an uns verfasst:

Auf orthografische Korrektheit wird dabei allerdings im ersten Schuljahr noch nicht geachtet. Auch können die Kinder, wenn sie einen Satz geschrieben haben, diesen später nicht unbedingt lesen. Sie müssten dann ggf. wieder auf die Tabelle zurückgreifen. Wir sollen sie ausserdem nicht laut vorlesen lassen, sondern erstmal das Schreiben üben und später leise, also nur im Kopf, lesen lassen.
Auch ganz neu: In diesem Schuljahr wird im Kanton Zürich erstmals die Basisschrift eingeführt. Sie löst die Schreib- oder Schnürlischrift ab. Der Zwang, Buchstaben zu verbinden, entfällt hierbei. Und die Schüler müssen nicht mehr zwei Schriften lernen. Aus ihr soll jeder Schüler später seine eigene, persönliche Handschrift entwickeln.

Hinduismus statt Evangelisch

Neben den Fächern Deutsch, Musik, Schwimmen, Turnen und Mathe gibt es übrigens Religion und Kultur. Hier wird ein Überblick über die Weltreligionen gegeben, allerdings mit einem Schwerpunkt auf das Christentum. Später gibt es wohl noch ein spezielles Angebot entsprechend der jeweiligen Konfession. Lustigerweise stand in der Klassenliste hinter Elisas Namen: Hinduismus. Als wir unsere Telefonnummern abgleichen sollten beim Elternabend, habe ich es im letzten Moment noch entdeckt. Keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist. Womöglich hätte man uns sonst noch als Experten für Hinduismus für das Fach Religion und Kultur eingeladen. Nun wird Elisa allerdings später ganz banal am evangelisch ausgerichteten Unterricht teilnehmen.

Samstag, 27. August 2016

Einschulung à la Suisse

Am Montag war es endlich so weit: Elisa wurde eingeschult!
Im Vorfeld haben wir hin- und herüberlegt, ob wir denn die Schultüte mit zur Schule nehmen oder nicht. Und wie andere Deutsche das hier machen würden. So gibt es in unserem Bekanntenkreis auch einige Landsleute, die für ihre Kinder gar keine Schultüte machen. Da Elisa dies aber nun bestens von ihren deutschen Freunden kennt und sich schon länger darauf freut, stand es für uns ausser Frage eine für sie zu machen. Zum Glück brauchte ich als Näh- und Bastelniete nicht beim stillen Wettbewerb "wer bastelt die schönste Schultüte" mitmachen, dem ich in Hamburg sicherlich ausgeliefert gewesen wäre. Laut einer Studie des Onlinediestleisters RetailMeNot haben 62% der Eltern den Anspruch, ihrem Kind die schönste Schultüte zu schenken! Ich muss mich mit meiner gekauften hier aber jedenfalls nicht blamieren. Denn im Endeffekt bekam sie kein Fremder zu Gesicht, da wir sie nicht mit zur Schule nahmen. Elisa empfand sie sowieso als zu schwer und war froh, sie nicht tragen zu müssen. Vor ein paar Tagen las ich übrigens im Hamburger Abendblatt, dass Hamburger Eltern besonders knauserig wären bei der Bestückung der Schultüten: Nur knapp 36 Euro geben sie demnach im Durchschnitt für die Schultüte samt Inhalt aus — Thüringer Eltern lassen sich das Geschenk zur Einschulung dagegen mehr als doppelt so viel kosten, rund 80 Euro! Und ich frage mich, was um alles in der Welt sie ihren Kindern da hineintun? Bei Elisa waren es ein "Freunde-Buch" für die Schule, ein Buch für Leseanfänger, ein Stickerheft und Süssigkeiten. Die Geschenke der Grosseltern (eine Armbanduhr und ein personalisiertes Buch "Elisa im Schulexpress") bekam sie allerdings separat. Jedes 17. Kind findet laut Abendblatt sogar ein Handy in der Schultüte!


Schultüte auch für Geschwister?

Brudi bekam übrigens auch ein Mini-Modell - mit einem kleinen Auto und einer Armbanduhr aus Zucker darin. Nun band Brudi seiner allerdings nicht ebenfalls um, sondern lutschte und knabberte sie gleich auf. Manche kritisieren ja, dass bei der Einschulung das grosse Kind im Mittelpunkt steht und die kleinen Geschwister nicht auch noch eine Tüte brauchen. Ich wusste jedoch zum einen, dass der Start in den Morgen in Geschrei ausarten würden, weil Brudi mit seinen zwei Jahren ziemlich neidisch sein würde, und nicht nachvollziehen könnte, wenn er keine bekäme. Zum anderen erinnere ich mich selbst noch gern daran, wie ich als Vierjährige stolz am Einschulungstag meines Cousins mit einer kleinen Schultüte neben ihm posierte.

Durchs Sonnenblumenspalier in die 1b

Danach gingen wir bei schönstem Spätsommerwetter zur Schule. Ich war gespannt, wie die Einschulung in der Schweiz sein würde. Es wird hier ja allgemein weniger Trara um die Einschulung gemacht als in Deutschland, was ich eigentlich ein bisschen schade finde. Grosseltern und andere Verwandte sind so gut wie nie dabei, kleinere Geschwister können im "Hütedienst" abgegeben werden. Wir wussten auch nicht, inwiefern es überhaupt eine Art Zeremonie zu Beginn geben würde. Treffpunkt der neuen Erstklässler und ihrer Eltern war der Schulhof. Dort stellten sich die Kinder der 1a und der 1b reihenweise auf. Elisa war etwas eingeschüchtert aufgrund der vielen Erwachsenen und Kinder. Und sie war traurig, dass ihre beste Freundin in der Parallelklasse sein würde. Ihre zweitbeste Freundin trafen wir noch auf dem Weg zur Schule an der Bushaltestelle, sie muss ja, obwohl sie nur drei Minuten von uns weg wohnt, ins weit entfernte Schulhaus.
Zum Glück waren in ihrer Klasse immerhin zwei Mädchen, die sie kannte, und so stelle sie sich neben einer Freundin aus dem Kindergarten auf. Dann sangen die Zweit- und Drittklässler ein Lied und der Direktor sprach Willkommensworte. In der Schweiz umfasst die Primarschule übrigens die Klassen 1 - 6. An Elisas Schule sind jedoch nur die Schüler bis zur dritten Klasse untergebracht. Also alles ziemlich cosy. Anschliessend stellten sich die älteren Schüler mit je einer langen Sonnenblume in der Hand im Spalier auf und die Erstklässler sollten je zu zweit hindurchgehen. Zuvor wurden sie jeweils noch per Mikrofon mit ihrem Namen vom Schulleiter begrüsst. Ich wusste, dass Elisa es nicht besonders cool findet, so im Mittelpunkt zu stehen. Doch sie meisterte die Situation zum Glück souverän.

Anton, die Leseratte

Als alle Schüler hindurchgegangen waren, gingen die Kinder hinter ihrer Lehrerin her in die jeweilige Klasse - Elisa in die 1b. Wir Eltern durften auch mitkommen. Und so waren wir dabei, als die Lehrerin mit den Kindern das Lied "Ich bin jetzt ein Schulkind" sang, die Stoffleseratte "Anton" vorstellte und eine Geschichte dazu vorlies. Er soll von nun an die Kinder beim Lesen lernen unterstütze. Im Anschluss durfte sich jedes Kind einen Platz aussuchen. Dann malten die Kinder ihre Namensschilder aus und schon klingelte es auch schon zur grossen Pause und die Eltern wurden nach Hause geschickt. Mein Mann holte Elisa um zwölf wieder ab und ich musste zur Arbeit fahren und konnte beim Auspacken der Schultüte leider nicht dabei sein. Elisa ist in der Bären-Gruppe und hatte am Nachmittag frei, die Tiger aus der Klasse mussten um 14:00 für zwei weitere Unterrichtsstunden wieder hin. Ganz schön viel für so einen spannenden ersten Schultag, wie ich finde.

Samstag, 20. August 2016

Interview: (Expat) Mamas around the globe

Ich freue mich darüber, Teil der Interview-Reihe „(Expat) Mamas around the globe" auf Stefanie Liebals wundervollem Blog Saint-Iva zu sein. Hier seht ihr das Resultat:

http://saint-iva.de/leben/ein-monatslohn-kitakosten



Mittwoch, 20. Juli 2016

Wenn Kinder allein fliegen - Elisas Reise als UM mit Swiss

Seit zwei Monaten stehe ich wieder in Lohn und Brot, Elisa hat sich an den Hort gewöhnt und Brudi an die Kita. Und nun sind fünf Wochen Schulferien. Während der zweiwöchigen Schliesszeit der Kita reisen wir nach Frankreich, eine weitere Woche Urlaub nimmt mein Mann. Bleiben zwei Wochen, in denen Elisa nicht betreut ist. Immerhin wird ab der zweiten Ferienwoche ein Ferienhort angeboten, den man an einzelnen Tagen buchen kann. Doch Elisa möchte auf keinen Fall dorthin. Sie möchte stattdessen zur Omi nach Hamburg und das bedeutet, dass sie die Strecke, die wir in letzter Zeit so oft zusammen geflogen sind, dieses Mal allein bewältigt. Swiss bietet auf verschiedenen Strecken diesen Service für Kinder ab fünf Jahren den Service für UM (Unbegleitete Minderjährige / Unaccompanied Minors) an.

Flugzeuge in meinem Bauch

Je näher der Abflug rückte, desto aufgeregter wurde Elisa. Klar freute sie sich riesig auf ihre Oma in Hamburg, aber ganz alleine fliegen? Der Gedanke machte ihr doch etwas Angst, aber ich beteuerte immer wieder wie kurz der Flug sei und dass ich ihr eine Überraschungs-Tasche mitgeben würde. In diese steckte ich ein Klebe-Album, Kekse, Bonbons und einen Lolli. Es würde ihr die Zeit hoffentlich etwas versüssen und sie ablenken. Als wir am Flughaften Zürich ankamen, erwartete uns am ersten Ferienwoche schon eine Riesen-Menschenmenge vor dem Swiss-Abflugschalter. Zum Glück mussten wir uns dort nicht anstellen, sondern konnten an den Counter Special Service gehen. Dort war es zwar auch voll, aber man konnte eine Nummer ziehen und sich in den Wartebereich setzen. Als wir schliesslich an der Reihe waren und die von mir im Vorfeld ausgefüllten Handling Advices gecheckt worden waren, steckte der Mann vom Bodenpersonal diese zusammen mit Elisas Pass und der Bordkarte in eine Papptasche, die ihr um den Hals gehängt wurde. Auch für mich stellte er ein Dokument aus, so dass ich sie bis zum Gate bringen konnte.

Mit der Zeit, als immer mehr Passagiere dort eintrafen, wurden Elisa und ich immer nervöser. Wobei ich mir das ja nicht anmerken durfte und sie stattdessen bestärkte. Als der Check-In begann, wurden zuerst die "normalen" Passagiere an Bord gelassen. Zum Schluss sammelten sich die Kinder. Wobei Elisa mit Abstand die jüngste war. Das zweitjüngste Mädchen war acht, aber war in Begleitung älterer Geschwister. Die restlichen vier Kinder waren zwischen elf und 15. Als alle Kids hinter dem Check In Durchgang standen, marschierte der Flugbegleiter flotten Schrittes voran - und Elisa hetzte hinterher. Ich konnte es durchs Fenster beobachten.

Da ich solange vor dem Check-In warten musste, bis das Flugzeug auch tatsächlich gestartet ist, hatte ich mir dafür eigentlich extra eine Zeitung gekauft. Aber dazu kam ich nicht, weil ich die ganze Zeit nur aus dem Fenster schaute und darauf wartete, dass es endlich losgehen würde. Da sass nun Elisa ganz allein, sie würde von sich aus wahrscheinlich nicht einmal die Flugbegleiter ansprechen, wenn etwas sein sollte, und ich hoffte, dass eine nette Person neben ihr sitzen würde.

Nach einem gefühlt schier endlosem Warten ging es endlich los und das Flugzeug setzte sich mit 20 Minuten Verspätung in Bewegung.


Mit zehnminütiger Verspätung landete sie schliesslich in Hamburg. Erleichtert schlossen sich Oma und Enkelin in die Arme. Immerhin kündigte Elisa schon an, dass sie, sobald Brudi fünf wird, ihn mitnimmt und auf ihn aufpasst. Die Chancen stehen also gut, dass sie auch für den Rückflug nochmals in den Flieger steigen wird.

 

 

Die Kosten und was sonst noch zu beachten ist

Pro Strecke innerhalb Europas kostet der Service 60 Euro extra.
Bei der telefonischen Buchung muss die jeweilige Person, die das Kind bringt und die es abholt, angegeben werden. Ferner müssen für die Strecke Zürich - Hamburg - Zürich vier Kopien mit den entsprechenden Adressen und die Unterschrift für eine etwaige Kostenübernahme, sollte die Abholperson nicht kommen, ausgefüllt und mitgegeben werden.



Sonntag, 3. Juli 2016

Die (deutsche) Elternzeit ist vorbei - der (Schweizer) Job ist da

Gerade haben wir Brudis zweiten Geburtstag gefeiert. Und just um diesen Zeitpunkt habe ich eine tolle Stelle als Chefredakteurin eines Gesundheits-Magazins gefunden. Alles passt perfekt! Bis auf den knapp einstündigen Arbeitsweg. Aber sonst: Super Job, nettes Team, gutes Teilzeitmodell (70%, davon drei ganze Tage in der Redaktion und ein halber Tag im Home Office). Also kündigte ich zu Ende Mai meine Stelle in einem Hamburger Verlag. Ich hatte kurz zuvor die Elternzeit von ursprünglich zwei auf drei Jahre verlängert.  

Zwei Jahre Auszeit - perfekt für uns

Dieses Mal sind die zwei Jahre für mich wirklich perfekt gewesen. Bei Elisa freute ich mich, nach einem Jahr wieder arbeiten zu können. Es war einfach mega anstrengend mit ihr zuhause und die 23 Stunden, mit denen ich wieder in der alten Firma anfing, waren geradezu entspannend im Vergleich. Zudem habe ich einfach das gemacht, was fast alle Hamburger Akademiker-Mütter gemacht haben und was politisch erwünscht war: Nach einem Jahr Elternzeit wieder in den Beruf zurück zu kehren. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich den Eintritt in die Kita mit einem Jahr relativ ungünstig finde. Es kann sich noch kaum verständigen und befindet sich meist in der Fremdelphase. Auch internationale Kinderpsychologen wie Wassilios Fthenakis oder Karin Grossmann empfehlen, Kinder möglichst nicht vor anderthalb Jahren in die Kita zu geben. Der Erziehungs-Papst Jesper Juul gibt zu bedenken, dass die meisten Kleinkinder die Krippen-Betreuung zwar gut verkraften, aber eben jedes fünfte Kind unter zwei Jahren Probleme entwickelt. Klar, kann man es sich aus finanzieller Sicht oft nicht aussuchen. Und sicher ist es auch fürs Kind besser, früher in die Kita zu kommen und eine ausgeglichene Mutter zu haben als mit einer unglücklichen, die lieber arbeiten möchte, den ganzen Tag zuhause zu bleiben. Zudem stehen die Schweizer Mütter im Gegensatz zu den deutschen ja bereits nach dem 14 wöchigen Mutterschutz vor der Wahl, wieder in den Beruf zurückzukehren oder den Job beim bisherigen Arbeitgeber ganz aufzugeben. Da bin ich ganz froh, dass ich bei Brudi und Elisa diese schwierige Entscheidung nicht treffen musste, sondern die Luxus-Variante mit einem, zwei oder drei Jahren Auszeit wählen konnte.


Mittwochs ist unser freier Tag

Deshalb war es für mich eine wirklich glückliche Fügung, gerade jetzt eine Stelle zu finden. Ich kann Brudi nun guten Gewissens in die Kita geben und auch Elisa hat sich mittlerweile sehr gut in der Schweiz eingelebt. Hätte ich sie gleich zu Beginn in den Hort gegeben, wäre es wahrscheinlich etwas viel für sie gewesen, da sie schon mit der Eingewöhnung in den Schweizer Kindergarten genug zu tun hatte.
Brudi geht jetzt Montags und Dienstags von halb neun bis um viertel vor fünf und Donnerstags / Freitags von acht bis zwei. Somit haben wir den ganzen Mittwoch gemeinsam und den Donnerstag Nachmittag, Freitags holt ihn der Papa ab.

Weniger Familienzeit

Für mich bedeutet dies nun, an den Arbeitstagen sehr früh aufzustehen, um gegen halb sieben im Auto Richtung Zürich zu sitzen, um dort gegen halb acht mit der Arbeit anzufangen. Gegen halb fünf fahre ich dann wieder zurück und treffe gegen halb sechs zuhause ein. Entsprechend sehe ich die Kinder an drei Tagen morgens in der Woche gar nicht und abends auch nur zwei bis drei Stunden. Das ist wirklich grenzwertig für mich, deshalb wären ein 80%-Job mit vier Bürotagen auch definitiv 10% zuviel. Es gibt in meinem Bekanntenkreis einige Frauen, die, wie ihre Männer, 80% arbeiten. So hat jeder einen Kindertag und die Kinder sind entsprechend drei ganze Tage in der Kita. Das wäre für mich aber nichts. Ich geniesse wirklich den Home Office Tag mit dem zusätzlichen freien Nachmittag. Ich bin auch sehr froh darüber, dass mein Mann die Kinder morgens hinbringt und am späten Nachmittag abholt. So ist der Kleine nicht ganz so lange in der Kita.

Manchmal erschöpft - aber sehr glücklich

Mein Fazit: Es ist ziemlich anstrengend, gerade wenn Brudi mal eine schlechte Nacht hat. Aber mir macht es trotzdem sehr viel Spass, nicht nur den ganzen Tag zuhause zu sein, sondern meinem spannenden Beruf nachzugehen, interessante Menschen zu treffen und dreimal die Woche mit Kollegen zusammen zu arbeiten. Auch wenn Elisa sich manchmal beschwert, dass sie in den Hort gehen muss (es sind nur zwei Nachmittage!), möchte ich ihr trotzdem vermitteln, dass es gut und wichtig sein kann, für Frauen Mutter und Arbeitnehmerin gleichzeitig zu sein - und zudem bereitet es mir grosse Freude.

Im Gegensatz zu Hamburg, wo ich im Bekanntenkreis, im Pekip-Kurs oder in der Kita fast nur Mütter kannte, die ein Jahr, in seltenen Fällen auch 1,5 oder 2 Jahre aussetzten, aber wirklich niemand länger als drei Jahre keiner (Teilzeit-)Tätigkeit nachging, ist es in der Schweiz ganz anders. In Elisas Kindergarten, der eine breite soziale Mischung aufweist, arbeitet ungefähr die Hälfte der Mütter der Fünf- bis Sechsjährigen gar nicht. Und ich gehöre mit einem 70% Pensum sowieso zu den Ausnahmen. Der Haupt-Grund dafür, dass viele Frauen (noch) nicht arbeiten, liegt wahrscheinlich in den hohen Kita-Kosten (sofern noch jüngere Geschwisterkinder da sind) sowie in der Steuerprogression, die dafür sorgen, dass sich die Arbeit finanziell überhaupt nicht rentiert. Und durch die höheren Einkommen der Männer in der Schweiz ist es auch häufiger möglich, dass Frauen zuhause bleiben können. Was ja ebenfalls ok ist, wenn man die Familienzeit intensiv nutzen möchte.

Samstag, 18. Juni 2016

Erst Röntgen, dann Gipsen - wenn die Puppe ins Spital muss

Heute war "Tag der offenen Tür" in der Schulthess Klinik in Zürich. Es gab dort spannende Sachen für die ganze Familie. Ich war mit Elisa da und versuchte, in anderthalb Stunden möglichst viele Dinge auszuprobieren, da wir leider wenig Zeit hatten.

Los ging es in der Lobby damit, dass Elisa an Kinderkrücken laufen und einen Rollstuhl ausprobieren konnte. Danach ging es zum Schminken und zu einer Fotowand, an der sie als Ärztin posierte. Ich probierte währenddessen aus, wie es um mein Gleichgewicht und meine Gangsicherheit bestellt war. Danach machte Elisa bei einer Tastaufgabe mit, bei welcher man in verschiedenen Boxen verschiedene Dinge vom Gras zum Golfball ertasten sollte. Daran an schloss sich ein olfaktorischer Test, bei welcher sie an neun verschiedenen Stiften roch, und sich jeweils zwischen vier Düften entscheiden musste (von Schuhleder über Zimt bis Ananas).

Anschliessend beobachteten wir im Ultraschall den Blutfluss durch die Aorta in Elisas Kopf und lauschten dem Rauschen ihres Blutes. Danach mussten wir anstehen. Zum ersten Mal an diesem Tag. Denn beim Gipsanlegen standen viele Kinder, die ihre Puppe oder sich selbst verbinden lassen wollten. Elisa wollte ihren Arm geschient bekommen und war entsprechend stolz auf das Resultat. Zum Schluss durfte Elisa noch ihre Puppe zum Röntgen bringen und bekam das Röntgenbild mit nach Hause.