Über mich

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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Vierjährige allein im Schweizer Strassenverkehr - Blogparade

Drei Stunden vor Toreschluss mache ich auch gern mit bei Wiebkes Blogparade "Augen auf im Strassenverkehr". 
Vor zwei Jahren lebten wir noch in Hamburg-Eppendorf. Da gab es viel Verkehr und jede Menge Ampeln. Natürlich wusste die damals vierjährige Elisa, dass sie an roten Ampeln warten musste und erst bei grün gehen durfte. Zur Kita fuhren wir grundsätzlich mit dem Fahrrad, wobei sie hinten im Kindersitz sass, weil der Weg zu lang zum Laufen oder selber Radeln war.

Im Februar 2015, da war sie gute viereinhalb Jahre alt, verschlug es uns von der Alster in ein 9000-Seelen-Dorf an den Schweizer Zürisee. Hier gab es keine Ampeln, aber natürlich auch viele Autos und jede Menge Kreisverkehre und Zebrastreifen. Was mich zum einen erstaunte, war der Schweizer Fahrstil: Die meisten Verkehrsteilnehmer fuhren in der Stadt wenn Tempo 50 erlaubt war, tatsächlich auch genau 50, wobei viele in Deutschland bei 50 ja gern um die 65 kmh fahren. Auch auf Autobahnen fuhren sie bei Tempo 100 maximal 105 - wahrscheinlich wegen der vielen Blitzer und hohen Strafen.
Dagegen verhielten sich einige Schweizer Autofahrer an Zebrastreifen unmöglich. Mehr als einmal ist es mir passiert, dass ich mit zwei Kindern an der Hand am Zebrastreifen stehe - und das Auto rast vorbei. Das macht mich jedes Mal einfach wahnsinnig wütend.

Ein ungewohntes Bild: Kindergarten-Kinder überqueren allein die Strasse

Denn hinzu kommt: Hier ist es normal, dass bereits Vierjährige in kleinen Kindergruppen oder auch allein auf der Strasse unterwegs sind. Die Eltern werden sogar ermuntert, ihre Kinder mit Eintritt in den Kindergarten (die offizielle Vorschule, die zwei Jahre vor der Einschulung beginnt), allein den Weg bewältigen zu lassen. Auch Elisa kam hier also im Februar mit knapp fünf Jahren in die Vorschule. Schon am vierten Tag meinte sie, sie möchte allein in den Kindergarten gehen, das sei cool. Dazu musste sie etwa 300 m eine viel befahrene Strasse auf dem Gehweg entlang gehen und danach in eine kleinere Strasse abbiegen. In einer Kurve dieser Strasse liegt der Übergang zum Kindergarten, aufgezeichnet mit zwei kleinen Füsschen am Boden. Kein Schild "Achtung Kinder" und kein Zebrastreifen. Der sei zu teuer gewesen. Dieses Argument erstaunte mich als Neubürgerin in der Schweiz. Also schlich ich die ersten Male heimlich hinter Elisa her, bis sie sicher die Strasse überquert hatte. Noch schlimmer war es, auf sie zu warten, wenn der Kindergarten um zwölf zu Ende ging. Wenn sie um viertel nach zwölf noch nicht zuhause war, nahm ich das kochende Essen vom Herd und lief ihr - mit ihrem Babybruder auf dem Arm - entgegen.
Natürlich gingen mir auch Gedanken durch den Kopf, dass jemand sie einfach in ihr Auto ziehen könnte. Solche furchtbaren Dinge passieren ja aber glücklicherweise äusserst selten. Und können einer Neunjährigen leider ebenso gut passieren wie einem Kindergarten-Kind.

Wie manche Eltern andere Kinder gefährden

Was mich auch hier allerdings wieder sehr ärgert sind einige Eltern, die ihre Zuckerkinder bis vor den Kindergarten kutschieren. Klar, das habe ich auch schon gemacht, weil wir zu spät dran waren, oder es wie wahnsinnig gehagelt hat. Aber: Ich hielt dann kurz auf einem Anwohnerparkplatz und nicht, wie andere Eltern, direkt vor den auf der Strasse markierten Füssen. Dies hat nämlich zur Folge, dass die Kinder, die die Strasse überqueren wollen, plötzlich direkt hinter diesem Auto auftauchen. Sie können ja nicht den von links kommenden Verkehr einsehen, weil sie zu klein sind. Und was passiert, wenn in dem Moment ein Auto das parkende Fahrzeug überholt? Ich mag es mir nicht ausmalen. Mehrmals habe ich entsprechende Mütter angesprochen, wenn ich zufällig meine Tochter zum Kindergarten begleitete und eben dies passiert ist. "Ist ja nur eine Ausnahme", war die häufigste Antwort. Ich rief daraufhin bei der Polizei an und bat sie um häufigere Kontrollen. Wenn es um die Sicherheit der Kinder im Strassenverkehr geht, werde ich echt zum Spiesser.

Mehr Freiheit und Verantwortung für die Kinder

Mittlerweile - Elisa ist jetzt in der ersten Klasse - bin ich entspannt und finde es auch gut, dass die Kinder hier noch gewissen Freiraum haben und nicht wie in Eppendorf ständig von Mami und Papi kutschiert werden, auch wenn es mit dem Fahrrad war. Ihr Bruder kommt 2018 in den Kindergarten, er ist dann gerade vier geworden. Noch kann ich mir nicht vorstellen, dass er dann reif genug ist, den Weg allein zu gehen. Aber mit viereinhalb sollte er hoffentlich so weit sein. .

Samstag, 8. Oktober 2016

Wieviele Hobbys braucht ein Kind?

Seit einem Jahr hat Elisa einen grossen Wunsch: Geige zu lernen. Nun freute ich mich ja sehr über ihr Interesse ein Instrument zu spielen. Es sprechen aber auch ein paar kleinere Dinge gegen die Geige: Im Gegensatz zur Blockflöte oder zum Klavier dauert es relativ lange, bis man schöne Klänge oder sogar ganze Lieder herausbringt. Zudem kostet der Geigenunterricht hier 700 Franken im Semester. Plus Leihgebühr für das Instrument. Und viele Pädagogen empfehlen, nicht gerade zeitgleich mit dem Schulstart mit einem Instrument zu beginnen. Das überfordere das Kind.

In Deutschland beginnen viele Kindergarten-Kinder, so wie auch ich damals, mit etwa fünf Jahren mit dem Blockflötenunterricht. Hier in Zürich ist das aber anscheinend nicht üblich. Selbst die Musikschule, die ja eigentlich am Umsatz interessiert ist, empfahl das Lernen eines Instruments erst ab der 2. oder 3. Klasse. In der 1. Klasse gebe es ja den normalen Grund-Musikunterricht in der Schule, quasi als Basis. Und vorher bei Interesse den Musikkindergarten. Die Kinder sollten zudem erst lesen lernen, bevor sie Noten lesen lernen. Wobei mir dieses Argument nicht ganz einleuchtet, denn ich habe damals ohne Probleme mit fünf das Notenlesen gelernt.

Wieviel freie Zeit ist richtig?

Klar, ein Instrument zu spielen bringt Spass. Aber noch viel mehr. So haben Zürcher Forscher herausgefunden, dass Menschen, die ein Instrument spielen, auch leichter Fremdsprachen lernen. Auch die sportliche Betätigung ist überaus wichtig. Die Kinder sitzen heute zu lang, was Koordinations- und Haltungsschäden mit sich bringt. Zudem hängen auch sportliche Betätigung und geistige Leistungsfähigkeit zusammen.

Nun haben manche Kinder aber heutzutage einen derart prall gefüllten Nachmittagskalender, dass für das freie Spiel und das Ausruhen gar keine Zeit mehr bleibt. Was also tun, um das Kind nicht zu über- oder unterfordern? Elisa hat immerhin dreimal wöchentlich nachmittags Unterricht und einmal Hort bis viertel vor drei. Wo bleibt da freie unverplante Zeit? Ein Sohn von Bekannten schafft es bei diesem Pensum sogar fünf verschiedene Hobbys einzubauen. Mir sind jedoch auch "langweilige" Abhängphasen, in denen das Kind zuhause quasi mal für ein, zwei Stunden ohne elterliche oder sonstige Anregungen sich selbst überlassen ist, wichtig. Denn eben aus dieser Langeweile heraus lernen Kinder ja erst die Fähigkeit zur Kreativität.

Wir machen es jetzt so: Samstags ist Schwimmen und Donnerstags Geigenunterricht. Also einmal Sport und einmal Musik. Dafür hat sie mittwochs schon um 11:05 Schulschluss und dann wirklich einen sehr langen Nachmittag zur freien Verfügung oder zum Verabreden mit Freunden. 
Übrigens meinte unser Kinderarzt, dass die Geigenstunde ja gar nicht unbedingt eine zusätzliche Lern-Belastung darstellen müsse, sondern quasi auch eine Art Ausgleich zum Schulstress sein kann.

Freitag, 2. September 2016

Die ersten Tage in der Primarschule

Nach Elisas anfänglicher Skepsis gegenüber der Schule, geht sie seit dem zweiten Tag recht gern hin. Der Stundenplan ist, wie ich finde, mit 24 reinen Unterrichtsstunden (davon 3 Mal nachmittags) ziemlich voll. So hat sie zum Beispiel auch am Freitagnachmittag noch bis halb vier Schule.
Montags und dienstags geht sie mittags in den Hort. Sie kennt ihn schon aus Kindergarten-Zeiten. Er befindet sich ebenfalls auf dem Kindergarten-Gelände und ist für Kinder vom ersten Chindsgi-Jahr bis zur dritten Klasse. Dafür hat sie mittwochs nur drei Stunden und kommt schon um viertel nach elf nach Hause. Dies ist auch mein freier Tag, so dass Elisa, Brudi und ich zusammen essen können. Donnerstags isst sie ebenfalls bei mir und freitags wechseln sich mein Mann und der Vater ihrer Freundin mit dem Mittagstisch ab. Klar, etwas neidisch bin ich schon auf die Hamburger Ganztagsschulen, aber so kommen wir immerhin auch unter der Woche zweimal wöchentlich in den Genuss eines gemeinsamen Mittagsessens, wo ich sonst ja schon ziemlich viel am Arbeiten bin.

Adé Schreibschrift

Morgens geht sie meistens gemeinsam mit anderen Kindern aus der 1a und 1b zur Schule. Nachmittags zuweilen auch allein, wenn sie schon früher Schluss hat als ihre Freunde. Am dritten Tag fand bereits der Elternabend statt. Zuerst gab der Direktor für die Eltern beider Klassen generelle Infos zur Primarschule. Danach zwängten wir uns auf die Erstklässler-Stühle unserer Kinder. Die Lehrerin erläuterte, nach welchen Methoden sie unterrichtet. So wird das Schreiben und Lesen lernen ganz anders unterrichtet als in meiner Schulzeit. Wir begannen damals mit den Buchstaben F und U. Und der sogenannten Socken-Puppe Fu. Später kamen immer mehr Buchstaben hinzu, bis wir den Satz schreiben und lesen konnten "Fu ruft Fara".
Elisa bekommt jedoch eine Buchstabentabelle, bei der neben jedem Buchstaben ein entsprechendes Symbol steht. Zum Beispiel V = Vogel. Anhand dieser suchen sie sich nun die Buchstaben zusammen und setzen die Wörter zusammen. So hat Elisa bereits am dritten Tag einen ersten kleinen Brief an uns verfasst:

Auf orthografische Korrektheit wird dabei allerdings im ersten Schuljahr noch nicht geachtet. Auch können die Kinder, wenn sie einen Satz geschrieben haben, diesen später nicht unbedingt lesen. Sie müssten dann ggf. wieder auf die Tabelle zurückgreifen. Wir sollen sie ausserdem nicht laut vorlesen lassen, sondern erstmal das Schreiben üben und später leise, also nur im Kopf, lesen lassen.
Auch ganz neu: In diesem Schuljahr wird im Kanton Zürich erstmals die Basisschrift eingeführt. Sie löst die Schreib- oder Schnürlischrift ab. Der Zwang, Buchstaben zu verbinden, entfällt hierbei. Und die Schüler müssen nicht mehr zwei Schriften lernen. Aus ihr soll jeder Schüler später seine eigene, persönliche Handschrift entwickeln.

Hinduismus statt Evangelisch

Neben den Fächern Deutsch, Musik, Schwimmen, Turnen und Mathe gibt es übrigens Religion und Kultur. Hier wird ein Überblick über die Weltreligionen gegeben, allerdings mit einem Schwerpunkt auf das Christentum. Später gibt es wohl noch ein spezielles Angebot entsprechend der jeweiligen Konfession. Lustigerweise stand in der Klassenliste hinter Elisas Namen: Hinduismus. Als wir unsere Telefonnummern abgleichen sollten beim Elternabend, habe ich es im letzten Moment noch entdeckt. Keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist. Womöglich hätte man uns sonst noch als Experten für Hinduismus für das Fach Religion und Kultur eingeladen. Nun wird Elisa allerdings später ganz banal am evangelisch ausgerichteten Unterricht teilnehmen.

Samstag, 27. August 2016

Einschulung à la Suisse

Am Montag war es endlich so weit: Elisa wurde eingeschult!
Im Vorfeld haben wir hin- und herüberlegt, ob wir denn die Schultüte mit zur Schule nehmen oder nicht. Und wie andere Deutsche das hier machen würden. So gibt es in unserem Bekanntenkreis auch einige Landsleute, die für ihre Kinder gar keine Schultüte machen. Da Elisa dies aber nun bestens von ihren deutschen Freunden kennt und sich schon länger darauf freut, stand es für uns ausser Frage eine für sie zu machen. Zum Glück brauchte ich als Näh- und Bastelniete nicht beim stillen Wettbewerb "wer bastelt die schönste Schultüte" mitmachen, dem ich in Hamburg sicherlich ausgeliefert gewesen wäre. Laut einer Studie des Onlinediestleisters RetailMeNot haben 62% der Eltern den Anspruch, ihrem Kind die schönste Schultüte zu schenken! Ich muss mich mit meiner gekauften hier aber jedenfalls nicht blamieren. Denn im Endeffekt bekam sie kein Fremder zu Gesicht, da wir sie nicht mit zur Schule nahmen. Elisa empfand sie sowieso als zu schwer und war froh, sie nicht tragen zu müssen. Vor ein paar Tagen las ich übrigens im Hamburger Abendblatt, dass Hamburger Eltern besonders knauserig wären bei der Bestückung der Schultüten: Nur knapp 36 Euro geben sie demnach im Durchschnitt für die Schultüte samt Inhalt aus — Thüringer Eltern lassen sich das Geschenk zur Einschulung dagegen mehr als doppelt so viel kosten, rund 80 Euro! Und ich frage mich, was um alles in der Welt sie ihren Kindern da hineintun? Bei Elisa waren es ein "Freunde-Buch" für die Schule, ein Buch für Leseanfänger, ein Stickerheft und Süssigkeiten. Die Geschenke der Grosseltern (eine Armbanduhr und ein personalisiertes Buch "Elisa im Schulexpress") bekam sie allerdings separat. Jedes 17. Kind findet laut Abendblatt sogar ein Handy in der Schultüte!


Schultüte auch für Geschwister?

Brudi bekam übrigens auch ein Mini-Modell - mit einem kleinen Auto und einer Armbanduhr aus Zucker darin. Nun band Brudi seiner allerdings nicht ebenfalls um, sondern lutschte und knabberte sie gleich auf. Manche kritisieren ja, dass bei der Einschulung das grosse Kind im Mittelpunkt steht und die kleinen Geschwister nicht auch noch eine Tüte brauchen. Ich wusste jedoch zum einen, dass der Start in den Morgen in Geschrei ausarten würden, weil Brudi mit seinen zwei Jahren ziemlich neidisch sein würde, und nicht nachvollziehen könnte, wenn er keine bekäme. Zum anderen erinnere ich mich selbst noch gern daran, wie ich als Vierjährige stolz am Einschulungstag meines Cousins mit einer kleinen Schultüte neben ihm posierte.

Durchs Sonnenblumenspalier in die 1b

Danach gingen wir bei schönstem Spätsommerwetter zur Schule. Ich war gespannt, wie die Einschulung in der Schweiz sein würde. Es wird hier ja allgemein weniger Trara um die Einschulung gemacht als in Deutschland, was ich eigentlich ein bisschen schade finde. Grosseltern und andere Verwandte sind so gut wie nie dabei, kleinere Geschwister können im "Hütedienst" abgegeben werden. Wir wussten auch nicht, inwiefern es überhaupt eine Art Zeremonie zu Beginn geben würde. Treffpunkt der neuen Erstklässler und ihrer Eltern war der Schulhof. Dort stellten sich die Kinder der 1a und der 1b reihenweise auf. Elisa war etwas eingeschüchtert aufgrund der vielen Erwachsenen und Kinder. Und sie war traurig, dass ihre beste Freundin in der Parallelklasse sein würde. Ihre zweitbeste Freundin trafen wir noch auf dem Weg zur Schule an der Bushaltestelle, sie muss ja, obwohl sie nur drei Minuten von uns weg wohnt, ins weit entfernte Schulhaus.
Zum Glück waren in ihrer Klasse immerhin zwei Mädchen, die sie kannte, und so stelle sie sich neben einer Freundin aus dem Kindergarten auf. Dann sangen die Zweit- und Drittklässler ein Lied und der Direktor sprach Willkommensworte. In der Schweiz umfasst die Primarschule übrigens die Klassen 1 - 6. An Elisas Schule sind jedoch nur die Schüler bis zur dritten Klasse untergebracht. Also alles ziemlich cosy. Anschliessend stellten sich die älteren Schüler mit je einer langen Sonnenblume in der Hand im Spalier auf und die Erstklässler sollten je zu zweit hindurchgehen. Zuvor wurden sie jeweils noch per Mikrofon mit ihrem Namen vom Schulleiter begrüsst. Ich wusste, dass Elisa es nicht besonders cool findet, so im Mittelpunkt zu stehen. Doch sie meisterte die Situation zum Glück souverän.

Anton, die Leseratte

Als alle Schüler hindurchgegangen waren, gingen die Kinder hinter ihrer Lehrerin her in die jeweilige Klasse - Elisa in die 1b. Wir Eltern durften auch mitkommen. Und so waren wir dabei, als die Lehrerin mit den Kindern das Lied "Ich bin jetzt ein Schulkind" sang, die Stoffleseratte "Anton" vorstellte und eine Geschichte dazu vorlies. Er soll von nun an die Kinder beim Lesen lernen unterstütze. Im Anschluss durfte sich jedes Kind einen Platz aussuchen. Dann malten die Kinder ihre Namensschilder aus und schon klingelte es auch schon zur grossen Pause und die Eltern wurden nach Hause geschickt. Mein Mann holte Elisa um zwölf wieder ab und ich musste zur Arbeit fahren und konnte beim Auspacken der Schultüte leider nicht dabei sein. Elisa ist in der Bären-Gruppe und hatte am Nachmittag frei, die Tiger aus der Klasse mussten um 14:00 für zwei weitere Unterrichtsstunden wieder hin. Ganz schön viel für so einen spannenden ersten Schultag, wie ich finde.

Samstag, 20. August 2016

Interview: (Expat) Mamas around the globe

Ich freue mich darüber, Teil der Interview-Reihe „(Expat) Mamas around the globe" auf Stefanie Liebals wundervollem Blog Saint-Iva zu sein. Hier seht ihr das Resultat:

http://saint-iva.de/leben/ein-monatslohn-kitakosten



Mittwoch, 20. Juli 2016

Wenn Kinder allein fliegen - Elisas Reise als UM mit Swiss

Seit zwei Monaten stehe ich wieder in Lohn und Brot, Elisa hat sich an den Hort gewöhnt und Brudi an die Kita. Und nun sind fünf Wochen Schulferien. Während der zweiwöchigen Schliesszeit der Kita reisen wir nach Frankreich, eine weitere Woche Urlaub nimmt mein Mann. Bleiben zwei Wochen, in denen Elisa nicht betreut ist. Immerhin wird ab der zweiten Ferienwoche ein Ferienhort angeboten, den man an einzelnen Tagen buchen kann. Doch Elisa möchte auf keinen Fall dorthin. Sie möchte stattdessen zur Omi nach Hamburg und das bedeutet, dass sie die Strecke, die wir in letzter Zeit so oft zusammen geflogen sind, dieses Mal allein bewältigt. Swiss bietet auf verschiedenen Strecken diesen Service für Kinder ab fünf Jahren den Service für UM (Unbegleitete Minderjährige / Unaccompanied Minors) an.

Flugzeuge in meinem Bauch

Je näher der Abflug rückte, desto aufgeregter wurde Elisa. Klar freute sie sich riesig auf ihre Oma in Hamburg, aber ganz alleine fliegen? Der Gedanke machte ihr doch etwas Angst, aber ich beteuerte immer wieder wie kurz der Flug sei und dass ich ihr eine Überraschungs-Tasche mitgeben würde. In diese steckte ich ein Klebe-Album, Kekse, Bonbons und einen Lolli. Es würde ihr die Zeit hoffentlich etwas versüssen und sie ablenken. Als wir am Flughaften Zürich ankamen, erwartete uns am ersten Ferienwoche schon eine Riesen-Menschenmenge vor dem Swiss-Abflugschalter. Zum Glück mussten wir uns dort nicht anstellen, sondern konnten an den Counter Special Service gehen. Dort war es zwar auch voll, aber man konnte eine Nummer ziehen und sich in den Wartebereich setzen. Als wir schliesslich an der Reihe waren und die von mir im Vorfeld ausgefüllten Handling Advices gecheckt worden waren, steckte der Mann vom Bodenpersonal diese zusammen mit Elisas Pass und der Bordkarte in eine Papptasche, die ihr um den Hals gehängt wurde. Auch für mich stellte er ein Dokument aus, so dass ich sie bis zum Gate bringen konnte.

Mit der Zeit, als immer mehr Passagiere dort eintrafen, wurden Elisa und ich immer nervöser. Wobei ich mir das ja nicht anmerken durfte und sie stattdessen bestärkte. Als der Check-In begann, wurden zuerst die "normalen" Passagiere an Bord gelassen. Zum Schluss sammelten sich die Kinder. Wobei Elisa mit Abstand die jüngste war. Das zweitjüngste Mädchen war acht, aber war in Begleitung älterer Geschwister. Die restlichen vier Kinder waren zwischen elf und 15. Als alle Kids hinter dem Check In Durchgang standen, marschierte der Flugbegleiter flotten Schrittes voran - und Elisa hetzte hinterher. Ich konnte es durchs Fenster beobachten.

Da ich solange vor dem Check-In warten musste, bis das Flugzeug auch tatsächlich gestartet ist, hatte ich mir dafür eigentlich extra eine Zeitung gekauft. Aber dazu kam ich nicht, weil ich die ganze Zeit nur aus dem Fenster schaute und darauf wartete, dass es endlich losgehen würde. Da sass nun Elisa ganz allein, sie würde von sich aus wahrscheinlich nicht einmal die Flugbegleiter ansprechen, wenn etwas sein sollte, und ich hoffte, dass eine nette Person neben ihr sitzen würde.

Nach einem gefühlt schier endlosem Warten ging es endlich los und das Flugzeug setzte sich mit 20 Minuten Verspätung in Bewegung.


Mit zehnminütiger Verspätung landete sie schliesslich in Hamburg. Erleichtert schlossen sich Oma und Enkelin in die Arme. Immerhin kündigte Elisa schon an, dass sie, sobald Brudi fünf wird, ihn mitnimmt und auf ihn aufpasst. Die Chancen stehen also gut, dass sie auch für den Rückflug nochmals in den Flieger steigen wird.

 

 

Die Kosten und was sonst noch zu beachten ist

Pro Strecke innerhalb Europas kostet der Service 60 Euro extra.
Bei der telefonischen Buchung muss die jeweilige Person, die das Kind bringt und die es abholt, angegeben werden. Ferner müssen für die Strecke Zürich - Hamburg - Zürich vier Kopien mit den entsprechenden Adressen und die Unterschrift für eine etwaige Kostenübernahme, sollte die Abholperson nicht kommen, ausgefüllt und mitgegeben werden.



Sonntag, 3. Juli 2016

Die (deutsche) Elternzeit ist vorbei - der (Schweizer) Job ist da

Gerade haben wir Brudis zweiten Geburtstag gefeiert. Und just um diesen Zeitpunkt habe ich eine tolle Stelle als Chefredakteurin eines Gesundheits-Magazins gefunden. Alles passt perfekt! Bis auf den knapp einstündigen Arbeitsweg. Aber sonst: Super Job, nettes Team, gutes Teilzeitmodell (70%, davon drei ganze Tage in der Redaktion und ein halber Tag im Home Office). Also kündigte ich zu Ende Mai meine Stelle in einem Hamburger Verlag. Ich hatte kurz zuvor die Elternzeit von ursprünglich zwei auf drei Jahre verlängert.  

Zwei Jahre Auszeit - perfekt für uns

Dieses Mal sind die zwei Jahre für mich wirklich perfekt gewesen. Bei Elisa freute ich mich, nach einem Jahr wieder arbeiten zu können. Es war einfach mega anstrengend mit ihr zuhause und die 23 Stunden, mit denen ich wieder in der alten Firma anfing, waren geradezu entspannend im Vergleich. Zudem habe ich einfach das gemacht, was fast alle Hamburger Akademiker-Mütter gemacht haben und was politisch erwünscht war: Nach einem Jahr Elternzeit wieder in den Beruf zurück zu kehren. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich den Eintritt in die Kita mit einem Jahr relativ ungünstig finde. Es kann sich noch kaum verständigen und befindet sich meist in der Fremdelphase. Auch internationale Kinderpsychologen wie Wassilios Fthenakis oder Karin Grossmann empfehlen, Kinder möglichst nicht vor anderthalb Jahren in die Kita zu geben. Der Erziehungs-Papst Jesper Juul gibt zu bedenken, dass die meisten Kleinkinder die Krippen-Betreuung zwar gut verkraften, aber eben jedes fünfte Kind unter zwei Jahren Probleme entwickelt. Klar, kann man es sich aus finanzieller Sicht oft nicht aussuchen. Und sicher ist es auch fürs Kind besser, früher in die Kita zu kommen und eine ausgeglichene Mutter zu haben als mit einer unglücklichen, die lieber arbeiten möchte, den ganzen Tag zuhause zu bleiben. Zudem stehen die Schweizer Mütter im Gegensatz zu den deutschen ja bereits nach dem 14 wöchigen Mutterschutz vor der Wahl, wieder in den Beruf zurückzukehren oder den Job beim bisherigen Arbeitgeber ganz aufzugeben. Da bin ich ganz froh, dass ich bei Brudi und Elisa diese schwierige Entscheidung nicht treffen musste, sondern die Luxus-Variante mit einem, zwei oder drei Jahren Auszeit wählen konnte.


Mittwochs ist unser freier Tag

Deshalb war es für mich eine wirklich glückliche Fügung, gerade jetzt eine Stelle zu finden. Ich kann Brudi nun guten Gewissens in die Kita geben und auch Elisa hat sich mittlerweile sehr gut in der Schweiz eingelebt. Hätte ich sie gleich zu Beginn in den Hort gegeben, wäre es wahrscheinlich etwas viel für sie gewesen, da sie schon mit der Eingewöhnung in den Schweizer Kindergarten genug zu tun hatte.
Brudi geht jetzt Montags und Dienstags von halb neun bis um viertel vor fünf und Donnerstags / Freitags von acht bis zwei. Somit haben wir den ganzen Mittwoch gemeinsam und den Donnerstag Nachmittag, Freitags holt ihn der Papa ab.

Weniger Familienzeit

Für mich bedeutet dies nun, an den Arbeitstagen sehr früh aufzustehen, um gegen halb sieben im Auto Richtung Zürich zu sitzen, um dort gegen halb acht mit der Arbeit anzufangen. Gegen halb fünf fahre ich dann wieder zurück und treffe gegen halb sechs zuhause ein. Entsprechend sehe ich die Kinder an drei Tagen morgens in der Woche gar nicht und abends auch nur zwei bis drei Stunden. Das ist wirklich grenzwertig für mich, deshalb wären ein 80%-Job mit vier Bürotagen auch definitiv 10% zuviel. Es gibt in meinem Bekanntenkreis einige Frauen, die, wie ihre Männer, 80% arbeiten. So hat jeder einen Kindertag und die Kinder sind entsprechend drei ganze Tage in der Kita. Das wäre für mich aber nichts. Ich geniesse wirklich den Home Office Tag mit dem zusätzlichen freien Nachmittag. Ich bin auch sehr froh darüber, dass mein Mann die Kinder morgens hinbringt und am späten Nachmittag abholt. So ist der Kleine nicht ganz so lange in der Kita.

Manchmal erschöpft - aber sehr glücklich

Mein Fazit: Es ist ziemlich anstrengend, gerade wenn Brudi mal eine schlechte Nacht hat. Aber mir macht es trotzdem sehr viel Spass, nicht nur den ganzen Tag zuhause zu sein, sondern meinem spannenden Beruf nachzugehen, interessante Menschen zu treffen und dreimal die Woche mit Kollegen zusammen zu arbeiten. Auch wenn Elisa sich manchmal beschwert, dass sie in den Hort gehen muss (es sind nur zwei Nachmittage!), möchte ich ihr trotzdem vermitteln, dass es gut und wichtig sein kann, für Frauen Mutter und Arbeitnehmerin gleichzeitig zu sein - und zudem bereitet es mir grosse Freude.

Im Gegensatz zu Hamburg, wo ich im Bekanntenkreis, im Pekip-Kurs oder in der Kita fast nur Mütter kannte, die ein Jahr, in seltenen Fällen auch 1,5 oder 2 Jahre aussetzten, aber wirklich niemand länger als drei Jahre keiner (Teilzeit-)Tätigkeit nachging, ist es in der Schweiz ganz anders. In Elisas Kindergarten, der eine breite soziale Mischung aufweist, arbeitet ungefähr die Hälfte der Mütter der Fünf- bis Sechsjährigen gar nicht. Und ich gehöre mit einem 70% Pensum sowieso zu den Ausnahmen. Der Haupt-Grund dafür, dass viele Frauen (noch) nicht arbeiten, liegt wahrscheinlich in den hohen Kita-Kosten (sofern noch jüngere Geschwisterkinder da sind) sowie in der Steuerprogression, die dafür sorgen, dass sich die Arbeit finanziell überhaupt nicht rentiert. Und durch die höheren Einkommen der Männer in der Schweiz ist es auch häufiger möglich, dass Frauen zuhause bleiben können. Was ja ebenfalls ok ist, wenn man die Familienzeit intensiv nutzen möchte.

Samstag, 18. Juni 2016

Erst Röntgen, dann Gipsen - wenn die Puppe ins Spital muss

Heute war "Tag der offenen Tür" in der Schulthess Klinik in Zürich. Es gab dort spannende Sachen für die ganze Familie. Ich war mit Elisa da und versuchte, in anderthalb Stunden möglichst viele Dinge auszuprobieren, da wir leider wenig Zeit hatten.

Los ging es in der Lobby damit, dass Elisa an Kinderkrücken laufen und einen Rollstuhl ausprobieren konnte. Danach ging es zum Schminken und zu einer Fotowand, an der sie als Ärztin posierte. Ich probierte währenddessen aus, wie es um mein Gleichgewicht und meine Gangsicherheit bestellt war. Danach machte Elisa bei einer Tastaufgabe mit, bei welcher man in verschiedenen Boxen verschiedene Dinge vom Gras zum Golfball ertasten sollte. Daran an schloss sich ein olfaktorischer Test, bei welcher sie an neun verschiedenen Stiften roch, und sich jeweils zwischen vier Düften entscheiden musste (von Schuhleder über Zimt bis Ananas).

Anschliessend beobachteten wir im Ultraschall den Blutfluss durch die Aorta in Elisas Kopf und lauschten dem Rauschen ihres Blutes. Danach mussten wir anstehen. Zum ersten Mal an diesem Tag. Denn beim Gipsanlegen standen viele Kinder, die ihre Puppe oder sich selbst verbinden lassen wollten. Elisa wollte ihren Arm geschient bekommen und war entsprechend stolz auf das Resultat. Zum Schluss durfte Elisa noch ihre Puppe zum Röntgen bringen und bekam das Röntgenbild mit nach Hause.

Sonntag, 12. Juni 2016

Klassenzuteilung in der Primarschule - die Karten werden neu gemischt

In welche Schule würde Elisa kommen, und vor allem mit wem? Diese Frage beschäftigte uns intensiv seit Jahresbeginn. Eigentlich war ich mir sicher, dass sie in die nahe gelegene Schule im Dorf kommen würde. Doch die Kindergärtnerin meinte zu mir, dass es in diesem Jahr so viele Vorschulkinder geben würde in den fünf Kindergärten, dass zusätzlich zu den zwei Klassen in der Dorfschule eine dritte Klasse in der weiter oben gelegenen Schule, die mehr Platz böte, eröffnet werden würde. Und dass es tatsächlich auch Kinder geben würde, die an dem alten Schulhaus vorbei bergauf ins grössere Schulhaus laufen müssten. Der Weg von unserem Haus zur höher gelegenen Schule dauert etwa 25 Minuten. Wobei das eigentliche Problem nicht der Weg am Morgen oder Mittag ist, sondern die anderthalbstündige Mittagspause, für die sie nach Hause kommt. Diese lohnt sich entsprechend kaum, wenn zwei Drittel davon für den Weg veranschlagt werden. Es hält allerdings ein öffentlicher Bus nicht weit von uns entfernt. Sie könnte entsprechend vier Stationen zur Schule fahren.

Können Vier- bis Sechsjährige allein Bus fahren? 

Aber ist eine gerade mal sechs Jahre alt gewordene Erstklässlerin dazu schon in der Lage? Würde sie es als relativ zierliches und schüchternes Mädchen schaffen, auch bei grossem Gedränge von Erwachsenen und Teenagern an der richtigen Station auszusteigen? Ich bezweifel das. Ganz anders sieht das allerdings die Schulpflege in Uster. Hier soll es für einen Vierjährigen zumutbar sein, zusammen mit einem gleichaltrigen Freund in den 2,1 km entlegenen Kindergarten mit dem öffentlichen Bus zu fahren!


Wird es die Wunschschule?

Nun wurde also die Postzustellung mit der Schulzuteilung für den letzten Samstag zugesagt. Aufgeregt schauten wir aus dem Fenster, wann nun endlich der Briefträger kommen würde. Gegen zehn hielt ich den Brief endlich in meinen Händen. Ich öffnete ihn aufgeregt und las erleichtert, dass Elisa ins alte Schulhaus kommen würde. Yippee! Den ersten Schritt hatten wir geschafft. Aber mit wem? Würde ihre beste Freundin auch dabei sein? Oder jedenfalls ihre zweit- oder drittbeste? Über what's app kontaktierte ich andere Mütter aus ihrem Chindsgi. Ihre Freundin hatte noch keine Post bekommen, doch ich wusste schon vor ihr, dass die beiden Mädchen nicht in einer Klasse sein würden. Denn die Mutter eines Jungen, der in ihrer Parallelklasse sein würde, hatte im Gegensatz zu uns bereits eine Telefonliste mit allen Schülerinnen und Schülern erhalten. Und auf dieser stand nun leider auch der Name von Sarah. Schade. Ich munterte meine Tochter damit auf, dass sie ja immerhin in der Pause zusammen spielen könnten und man während des Unterrichts ja sowieso aufpassen, und sich nicht unterhalten solle.

Die besten Freundinnen sind nicht in ihrer Klasse...

Und ich sagte zu ihr, dass ihre beiden anderen Freundinnen bestimmt in ihrer Klasse wären, da sie nicht auf der Liste der Parallelklasse stünden und auch nur zwei, drei Minuten von uns entfernt wohnen - und somit wohl nicht hoch in die andere Schule müssten. Ein fataler Irrtum! Beide Mädchen müssen nun gute 20 Minuten zur Schule laufen und begegnen auf ihrem Weg nach oben noch einigen Kindern, die von einer etwas höher gelegenen Siedlung zum alten Schulhaus hinunter laufen. Wie grostesk! Ich finde es wirklich schade, dass Elisa nun ohne eine ihrer besten Freundinnen in die Klasse kommt. Sie war hier gerade mal anderthalb Jahre im Kindergarten und hat langsam Freundschaften geschlossen, ihre zwei besten Freundinnen sind sogar erst in diesem Kindergartenjahr dazu gestossen. Und da reisst man sie schon wieder auseinander?

Warum werden vertraute Sozialgefüge ständig auseinander gerissen? 

In Hamburg kann man in den meisten Schulen immerhin eine beste Freundin angeben, mit der man in die Klasse kommt. Bei mir war es damals sogar so, dass ich mit dem Kern meiner Grundschulklasse bis zur zehnten Klasse zusammen war. Weil beim Übertritt in die fünfte Klasse und bei der Fremdsprachen-Wahl in der siebten Klasse jeweils die Gruppen aus der alten Klasse zusammen blieben. Nun ist Elisa nur mit einem Mädchen und zwei Jungs aus ihrer alten Gruppe zusammen. Sie wird sicherlich neue Freundschaften schliessen, aber ich sehe trotzdem keinen pädagogischen Sinn hinter diesem System. Da der Übertritt in die Primarschule ja schon ein kleines Abenteuer für die Kinder ist, hätte man ja jedenfalls die Kinder aus einer Kindergartengruppe, die auf die gleiche Schule kommen, zusammen lassen können. Ab der vierten Klasse werden die Klassen übrigens wieder neu zusammen gestellt.

Die Organisation der Nachmittagsbetreuung

Am Dienstag bekommt Elisa ihren neuen Stundenplan und dann steht für mich die nächste Herausforderung an: Einen Tag für eine gemeinsame Nachmittagsbetreuung für Elisa bei Sarah zu finden. Da Elisa nicht an drei Tagen in der Woche in den Hort gehen mag, dieser am Montag auch schon ausgebucht war und zudem einen zusätzlichen Kostenfaktor darstellt (65 Franken pro Mittag + Nachmittag), geht sie Montags nach dem Kindergarten mit zu Sarah. Nun hat Sarah, die neben der Telefonliste auch bereits einen Stundenplan hat, Montags Nachmittagsunterricht. Entsprechend wird es hoffentlich einen meiner Arbeitstage geben, an denen beide Mädchen einen gleichen Stundenplan am Nachmittag haben. Etwas neidisch schaue ich auf das Hamburger System der Ganztagsschulen. In diesem ist- je nach Modell - Nachmittagsbetreuung an bis zu fünf Tagen in der Woche bis 16 Uhr garantiert. Bis 18 Uhr können die Eltern zwei Stunden hinzu kaufen.

Samstag, 28. Mai 2016

Was bei Brechdurchfall am besten hilft

Hatten wir früher Brechdurchfall, gab es immerhin ein Highlight: Wir durften ausnahmsweise Cola trinken. Davon wird wie auch von Säften wegen des hohen Zucker- und geringen Natriumgehalts mittlerweile abgeraten. Stattdessen empfehlen Ärtze meist orale Elektrolytlösungen, um den akuten Flüssigkeits- und Elektrolytverlust wieder auszugleichen. Doch kanadische Ärzte haben nun herausgefunden, dass bei Kindern mit leichter Gastroenteritis und geringfügiger Dehydration Apfelsaft durchaus eine gute Alternative sein könnte.

So gelang es in einer Studie (647 Kinder zwischen 6 und 60 Monaten) mit einer 1:1 Mischung aus Apfelsaft und Wasser häufiger, ein Therapieversagen zu vermeiden als bei Kindern, die eine Elektrolytlösung mit Apfelgeschmack bekamen. Allerdings war die Saft-Therapie erst bei Kindern ab zwei Jahren erfolgreich (9,8 % Therapieversager % gegenüber 25,9%). Während die Ärzte bei den mit einer Elektrolytlösung behandelten Kinder in neun Prozent der Fälle auf eine intravenöse Rehydration ausweichen mussten, war dies in der Apfelsaft-Gruppe nur in 2,5% der Fälle nötig. In der Notaufnahme wurden 0,9% gegenüber 6,8% rehydriert.



Quelle: Springer Medizin

Sonntag, 15. Mai 2016

Meerjungfrauen-Party zum 6. Geburtstag

Elisa ist gestern sechs Jahre alt geworden. In diesem Jahr hatte sie sich einen "Meerjungfrauen-Geburtstag" gewünscht. Also schaute ich in diversen Online-Shops nach Party-Accessoires und Give-Aways mit diesem Motto. Kurze Zeit später traf das Party-Paket bei uns ein mit folgendem Inhalt: Becher, Teller, Servietten, eine Girlande und Give-Away-Tüten mit Meerjungfrau-Motiven. Entsprechend schmückten wir das Wohnzimmer.

Auch das entsprechende Kostüm durfte natürlich nicht fehlen. Zwar war es etwas unpraktisch, da es an den Beinen ziemlich eng und die Schwanzflosse zudem noch als Stolperfalle vorne war. Aber wer schön sein will...
Beginnen sollte die Party um 14:30, enden um 17:00. Kindergeburtstage in der Schweiz dauern nicht so lange wie in Deutschland und sind fast immer ohne Abendessen.

Die Party geht los

Als alle Kinder da waren und die Geschenke ausgepackt worden waren, begaben wir uns an die Geburtstagstafel. Es gab Geburtstags-Kuchen mit meeresblauer Glasur und einer "6" aus Smarties sowie Muffins, Schokokuchen und - entsprechend dem Motto - eine Muschel aus Wackelpudding.

Kleine Nixen suchen Neptuns Schatz

Danach machten wir eine Schatzsuche. Ich hatte hierzu ebenfalls eine Puzzle-Schatzkarte bestellt und mir verschiedene Aufgaben ausgedacht, die die Mädchen lösen mussten, um das nächste Puzzleteil zu erhalten. Eigentlich war das Spiel für drinnen und draussen geplant. Draussen hätten sie in der Sandkasten-Muschel nach einem Puzzle-Teil graben und mit Glitzer-Kreidestiften ein Unterwasserschloss und Fische auf die Terrasse malen sollen. Nun mussten schnell Ersatzaufgaben ran. Mit Mini-Golfschlägern mussten sie nacheinander einen Ball in ein Ziel schlagen; aus einem grossen Haufen von Kuscheltieren sollten sie Tiere, die am oder im Meer leben, herausfinden; beim klassischen (fertigen) Angel-Spiel sollten sie ohne hinzugucken einen Fisch mit einer Magnet-Angel herausfischen; auch in der Badewanne ging es ums Angeln: Hier liess ich Gummi-Enten, Plastikfische und Playmobil-Männchen schwimmen, die mithilfe eines Käschers in einen Eimer bzw. in die Playmobil-Boote gesetzt werden sollten. Zuletzt hatte ich noch Meerjungfrau-Figuren im Wohnzimmer versteckt, die gesucht werden sollten. Als die Kinder alle Puzzle-Teile in die Karte gesetzt und den Schatz gefunden hatten, freuten sie sich über Schokomünzen sowie eine Meerjungfrauen-Figur. Anschliessend spielten die Mädchen ausgiebig mit den Puppen.

Spiele aus meinen Kindertagen auch 2016 noch beliebt

Ausserdem bastelten wir Halsketten und Armbänder mit verschiedenen schönen Perlen, die die kleinen Meerjungfrauen stolz mit nach Hause nahmen. Danach machten wir noch weitere Spiele wie Sackhüpfen, Eierlaufen, Stopptanz und Topfschlagen.

Einige Kinder kannten diese Klassiker gar nicht, weil heutzutage ja schon im Vorschulalter der Geburtstag häufig als Event auswärts gefeiert wird. Die mittlerweile fünf- bis siebenjährigen Kinder sind bei uns aber jedes Mal immer mit grosser Begeisterung dabei.

Donnerstag, 28. April 2016

Amrum mit Kindern - bei Sonne und Regen

Endlich wieder Amrum!
Für vier Tage sind die Kids, meine Mutter und ich auf die Nordseeinsel gefahren, auf welcher ich fast jeden Sommer meiner Kindheit verbracht habe.
Damals haben wir in einem alten Reetdachhaus meiner Tante im wohl schönsten der fünf Friesendörfer, in Nebel, gewohnt. Am liebsten erinnere ich mich an die Strandausflüge an den schier endlosen Kniepsand, an meine ersten Reitstunden und Ausritte durch die Dünen sowie an das Spielen und die Streifzüge durchs Dorf mit meiner gleichaltrigen Grosscousine, die auf Amrum wohnte.

Nun möchte ich das Amrum-Gefühl auch mit meinen Kindern teilen. Elisa hat zwei Wochen Ferien und da mein Mann nicht so oft Urlaub nehmen kann, fahren wir von Hamburg mit der Omi hin. Nach zwei Stunden Autofahrt sind wir am Fähranleger. Im Shuttle-Bus vom Parkplatz zum Anleger sind weit und breit keine anderen Kinder zu sehen. Und so stelle ich mir eine gemütliche Überfahrt vor, die meine Kinder tobend im Bällebad der Fähre verbringen. Doch als wir an Bord ankommen, toben bereits drei Schulklassen über das Schiff und zehnjährige Jungs bombardieren sich im Bällebad. Die Rundgänge über die Fähre und der Ausblick aufs Meer halten die beiden immerhin auch bei Laune. Und als sie entdecken, wie schnell man sich in den Drehsesseln drehen kann, vergeht die 90 minütige Überfahrt fast wie im Flug.

Dieses Mal wohnen wir in einer Ferienwohnung in Norddorf. Der Weg zum Strand ist viel kürzer als in Nebel und somit mit kleinen Kindern viel praktischer.  Leider ist das Wetter eher regnerisch, so dass wir am zweiten Tag kein Fahrrad ausleihen und statt die Vogelkoje zu besuchen, mit dem Bus nach Nebel fahren, um dort ins Friesencafe zu gehen.

Es gibt hier nicht nur die leckersten Torten und eine grosse Tee-Auswahl in der gemütlichen Alt-Amrumer Stube. Sondern für Kinder auch eine Kiste mit Spielzeug. Ausserdem eine feine Kinderkarte und zudem können sich die Kleinen am Tresen noch eine Süssigkeit abholen.

Ein weiterer Indoor-Tipp: das Naturzentrum Amrum. Das kleine, aber feine informative Zentrum liegt kurz vor dem Strandübergang in Norddorf und bietet verschiedene interaktive Stationen rund um das Thema Nordsee und Meeresschutz. Es ist kostenlos, der Spendentopf freut sich aber über eine Gabe.

Ausserdem bietet die Spielscheune Abenteuerland Amrum Klettergerüste und Hüpfburgen für Kids ab einem Jahr. Leider öffnete sie erst wenige Tage nach unserer Abfahrt.

Weitere Aktivitäten rund ums Basteln, Spielen und Geschichten erzählen bieten die Kurverwaltungen von Nebel, Norddorf und Wittdün an.






Sonntag, 17. April 2016

Mit oder ohne Schultüte? Gedanken zur Einschulung in der Schweiz

Letzte Woche hat Elisa ihren Schulranzen bekommen. Sie ist extrem stolz darauf und spazierte an den folgenden Tagen gleich damit durchs Dorf. Besonders praktisch finde ich an unserem Exemplar, dass sich die Bilder (momentan sind es Vögel) mittels eines Klett-Tapes austauschen lassen. Wenn sie das Motiv im nächsten Schuljahr nicht mehr leiden mag, können wir Sticker mit Meerjungfrauen, Tieren, Prinzessinnen oder andere dazu kaufen. So ist der Ranzen, der in der ersten Klasse noch cool war, in der dritten nicht plötzlich peinlich. So zumindest meine Hoffnung.

Einschulung in Deutschland - seit jeher ein ganz besonderer Tag

Ich kann mich noch gut an meine Einschulung vor 32 Jahren erinnern. Im Vorfeld habe ich mir eine Schultüte ausgesucht - glänzend rot mit schwarzer Katze drauf - neue Lackschuhe bekommen und ein schönes Kleid. Einschulungstag war - wie auch heute noch - ein Samstag. Damit auch die Verwandten mitkommen können. Und so war es auch bei mir. Neben meinen Eltern waren meine Grosseltern und die Nachbarn dabei. So wie ich auch als Dreijährige bereits auf der Einschulung meines Cousins stolz und aufgeregt dabei war, da ich ebenfalls eine - wenn auch erheblich kleinere - Schultüte bekam. In Deutschland ist die Einschulung eben ein familiäres Grossereignis. Bekannte von uns sind sogar mit Tante, Oma & Co nach der Einschulung in die Vorschule (!) (die in Hamburg ebenfalls bereits in der Grundschule absolviert werden kann) schick essen gegangen und haben dieses Ereignis ebenso wie den richtigen Schulstart gefeiert.

Einschulung in der Schweiz - ein Tag wie (fast) jeder andere

Nun sind wir seit einem Jahr in der Schweiz und Elisa kommt im Sommer in die Schule. Ich habe deshalb im Internet nach dem Einschulungstag gesucht. Fehlanzeige. Es ist halt ganz banal der erste Schultag nach den Ferien. In der Regel läuft die Einschulung hier wohl so ab, dass die Eltern ihr Kind zur Schule begleiten und die erste Stunde noch dabei bleiben. Danach geht der ganz normale Unterricht weiter.

Erster Schultag ohne Schultüte? Undenkbar für mich

Einige Kinder bringen wohl auch Schultüten mit. Dies sind dann meist Deutsche oder Schweizer, die diesen Brauch übernommen haben. Immerhin gab es im letzten Jahr in unserem lokalen Spiel- und Bastelgeschäft sogar Schultüten zu kaufen.
Und was sollen wir machen? Eine Einschulung ohne Schultüte ist für mich schwer vorstellbar. Immerhin hatten schon Elisas Gross- und Urgrosseltern eine Schultüte an diesem besonderen Tag. Und da wir häufig noch bei Freunden in Deutschland sind, wäre sie extrem enttäuscht, wenn sie nun keine Tüte bekäme. Aber damit zur Schule gehen und das typische Erstklässler-Foto machen? Ich weiss nicht. Wir wollen ja auch nicht gleich als die typischen Deutschen wahrgenommen werden und ihre Klassenkameraden neidisch machen. Also wartet die Schultüte wohl einfach darauf, vor oder nach dem ersten Schultag ausgepackt zu werden.

Und was kommt hinein? Ich erinnere mich, dass ich neben Schulutensilien auch Süssigkeiten und - besonders grosse Freude - Playmobil drin hatte. Elisa würde sich vielleicht über ein Freunde- und/oder Erstleserbuch und einen Wecker freuen.

Einen Vorteil hat es allerdings, dass Schultüten hier (noch) nicht so angesagt sind. Ich muss nicht nähen oder basteln. Meine deutschen Freundinnen haben mich zwar versucht davon zu überzeugen, dass es auch ganz einfache Bastelsets zum Erstellen der Tüten gibt. Aber dann sehen diese bestimmt auch nicht so gut aus, wie fantasievoll selbst gebastelte oder genähte. Somit bin ich froh, dass ich mich aus dem "wer kreiert die schönste Schultüte - Wettbewerb" ausklinken kann. Und weder Elisa noch ich peinlich berührt mit einer gekauften (oder misslungenen) Tüte neben den Meisterwerken der anderen stehen.

Welche Schule darf's denn sein? 

In Hamburg hätten wir die Wahl zwischen drei verschiedenen Grundschulen gehabt. Und in fast allen Fällen kommen die Kinder auch an ihre Wunschschule. Alle drei sind Ganztagsschulen. Das heisst, dass die Kinder bis um 16 Uhr kostenlos betreut werden. Bei der offenen Ganztagsschule ist die Teilnahme am Nachmittagsprogramm freiwillig. Sofern man sich dafür entscheidet, muss das Kind jedoch an mindestens vier Tagen an dem Freizeitprogramm teilnehmen.
Bei der gebundenen Ganztagsschule müssen die Kinder an vier Tagen am Nachmittagsprogramm bis 16 Uhr teilnehmen. Am fünften Tag wird Betreuung angeboten.
Früh- , Spät- und Ferienbetreuung werden von beiden Schultypen gegen Gebühr angeboten.

Nun findet in Elisas neuer Schweizer Grundschule wohl an drei Tagen Nachmittagsunterricht statt. In der Mittagspause von zwölf bis zwei gehen die Kinder nach Hause. Ausser die Eltern buchen Mittagstisch im Hort dazu. Leider ist der Hort an zwei Tagen bereits ausgebucht. So dass ich, sofern ich an diesen Tagen arbeiten muss, dafür eine Alternative suchen muss. Eine Tagesmutter oder die Unterbringung bei einer Freundin.


Elisas Grundschule ist etwa acht Minuten zu Fuss von uns entfernt. Ein schönes altes Schulhaus mit tollem Pausenhof und Blick auf den Zürisee. Doch nun lautet die Hiobsbotschaft der Schulverwaltung, dass es in diesem Jahr drei erste Klassen aus den im Dorf angesiedelten sechs Kindergärten geben wird. Es passen jedoch nur zwei Klassen in die Dorfschule. Eine ganze Klasse muss deshalb auf eine weiter entfernt liegende Schule ausweichen. Das würde für Elisa einen etwa halbstündigen Gehweg bzw. eine längere Fahrt mit dem Bus bedeuten. Und in der Mittagspause zuhause hätte sie gerade noch Zeit für einen schnellen Happen.
Nun warten wir gespannt bis Anfang Juni, an welche Schule und in welche Klasse Elisa kommen wird. Denn auch auf die Klassenzusammenstellung, also ob das Kind mit einer oder zwei Freundinnen aus dem Kindergarten zusammen gehen kann, haben die Eltern keinerlei Einfluss. Ein grosses Warten, Bangen und Hoffen...






Sonntag, 10. April 2016

Ohrringe, Prinzessinnen-Schuhe, rosa für Jungs - was darf, was kann und was geht gar nicht?

Marsha von Mutter und Söhnchen lädt zu ihrer zweiten Blogparade ein. Es geht um Kinder und ihre Lieblingsklamotten. Sucht euer Kind morgens die Klamotten aus oder wird das angezogen, was ihr rauslegt habt? Wie verändert sich das Anziehverhalten? Oder habt ihr das Gefühl, dass es schon im Kindergartenalter Gruppenzwang in Bezug auf Kleidung gibt?


Brudi zeigt glücklicherweise bisher kaum Allüren, ausser dass er am liebsten in meinen oder in Elisas Stiefeln los spaziert. Ansonsten ist es ihm egal, welches Shirt ich ihm anziehe. So lange es nicht zu eng ist oder kratzt.
Ich freue mich übrigens besonders, wenn er ältere, aber noch schöne Sachen von seiner Schwester aufträgt. Denn ich liebe sinnvolle Zweitverwendung statt Konsum: Ob Pulli, Hose, Body - oder sogar die Schuhe, obwohl sie nicht wirklich Jungs-Style sind. Aber ich finde: Bei einem noch nicht einmal Zweijährigen, dessen Füsse gerade alle zwei Monate um eine Grösseneinheit wachsen, kann man in Anbetracht der Preise für gute Kinderschuhe darüber hinweg sehen, wenn sich an der Seite ein dünner rosa Streifen über den weissen Schuh zieht. Ich stecke ihn ja nicht in lila Blümchen-Schuhe.

Ausserdem: Die Tage sind gezählt, bis er sich nicht mehr alles anziehen lässt und zudem der Grossteil von Elisas getragener Kleidung für ihn wirklich zu mädchenhaft sein wird.

Ganz anders Elisa. Nicht nur, dass sie ganz genau weiss, was sie anziehen mag und was nicht. Sie mischt sich auch bei meiner Kleider-Auswahl mit ein. "Mama, warum ziehst du denn keinen Rock mit hohen Schuhen an?" (Wir gehen lediglich zum Einkaufen und auf den Spielplatz). "An meinem Geburtstag sollst du aber ein schönes Kleid anziehen!" Ok, versprochen.

Bei Ohrringen bleibe ich streng

Ausserdem haben wir permanent Diskussionen über ein anderes Fashion-Thema: Ohrringe. "Fiona, Leonie, Lena und Lilly haben aber alle Ohrlöcher. Warum darf ich denn keine?" Weil ich in dieser Hinsicht spiessig bin. Ich vertrete nämlich eine ähnliche Ansicht wie der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Dieser ordnet Ohrlochstechen, ebenso wie Tätowierungen und Piercings bei Minderjährigen als Körperverletzung ein. So ab dem Teenager-Alter würde ich meiner Tochter das Ohrlochstechen schon erlauben. Aber ich finde bei einer Fünfjährigen muss dieses Mode-Accessoire, bei dem man Entzündungen nicht ausschliessen kann, wirklich noch nicht sein. Wir haben Elisa stattdessen Ohrschmuck zum Anclippen geschenkt.
Umso grotesker, dass ich bei meiner Internet-Recherche im Netz sogar auf eine Kinderarzt-Praxis gestossen bin, die Ohrloch-Stechen anbietet. Wenn auch "erst" ab einem Jahr. Einerseits ist dies sicherlich die bessere Alternative zu einem Frisörsalon. Andererseits wird darauf hingewiesen, dass dieser Vorgang mit geringfügigen Schmerzen verbunden sein kann. Aber wie kann ein Kinderarzt einem Kind Schmerzen zufügen, die nicht medizinisch sinnvoll sind?

Auch bei Schuhen wird nicht jeder Trend mitgemacht

Eine ähnliche Diskussion haben wir über Absatz-Schuhe. "Aber Célinas Stiefel haben auch einen kleinen Absatz. Ich will auch solche", jammert Elisa. Ja, aber ich finde, dass kleine Mädchen zum einen nicht damenhaft daher kommen müssen. Zum anderen schadet diese unnatürliche Haltung der Entwicklung ihrer Füsse und ihrer Wirbelsäule. Frühestens ab 14, 15 Jahren sollte das Tragen von Schuhen mit höherem Absatz ab und zu erlaubt sein, raten auch Orthopäden. Ausserdem: Wie soll ein Kind in Absatzschuhen noch toben, rennen und klettern?

Kleidung schon am Vorabend aussuchen, spart Stress am Morgen

Damit morgens vor dem Kindergarten beim Aussuchen der Klamotten kein Stress aufkommt, sucht Elisa sich nun jeden Abend ihre Wunsch-Kleidungsstücke heraus. Und ich berate sie, um Schlimmstes zu vermeiden. Zum Beispiel Trägerkleid ohne Shirt im Winter oder eine kompliziert zu knöpfende Bluse, wenn an dem Tag Turnen ansteht. Ansonsten überlasse ich ihr grösstenteils die Wahl.

Samstag, 2. April 2016

Karriere machen mit Kind? Warum das in der Schweiz oft besser klappt als in Deutschland

Heute schaute ich in die neue "Eltern" (Heft 4, April 2016) hinein. Interessantes Thema: Job und Kind - wie geht das anderswo? Es wurden die Elternzeit-Modelle von fünf Ländern vorgestellt - die Schweiz war leider nicht dabei. Das Fazit: Bis auf Norwegen, das bis zum ersten Geburtstag des Kindes 80 Prozent des Gehalts an die junge Mutter oder den Vater zahlt, haben es Eltern in den anderen Ländern (Korea, USA, Frankreich, Niederlande) finanziell und bezüglich der Dauer des Mutterschaftsurlaubes erheblich schlechter als in Deutschland. Die Amerikanerinnen bekommen demnach nicht einmal bezahlten Mutterschutz, grössere Unternehmen müssen lediglich zwölf Wochen unbezahlten Urlaub nach der Geburt genehmigen. Ganz neu hat Kalifornien jetzt jedoch einen je sechswöchigen bezahlten Mutterschutz für Mütter und Väter eingeführt (Spiegel online 6.4.2016).

Drei Jahre Elternzeit versus 14 Wochen

Schweizer Mütter bekommen 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Immerhin bezahlt. Die meisten Schweizerinnen arbeiten deshalb bis kurz vor der Entbindung und verlängern die 14 Wochen noch um aufgesparten Urlaub. Vielen Frauen ist diese Zeit mit ihrem Baby zuhause jedoch zu kurz. Sie verzichten entsprechend erst einmal auf ihren Job und müssen sich später einen neuen suchen. Schweizer Vätern steht per Gesetz nur ein Tag bezahlter Urlaub zu, manche grössere Unternehmen gewähren auf freiwilliger Basis etwas mehr.

Bis zu drei Jahre Elternzeit plus Elterngeld (65 Prozent des Einkommens) im ersten Jahr - dieses deutsche Modell erscheint mir nun aus Schweizer Sicht geradezu luxuriös. Bei Elisa hatte ich damals ein Jahr Elternzeit beantragt. DER Klassiker, besonders unter Akademikerinnen in den Grossstädten, wie auch die FAZ vom 26. März 2016 schreibt. Mein Mann nahm die zwei Väter-Monate dazu. Im Anschluss daran stieg ich mit 23 Stunden wieder ein, und Elisa war täglich 6,5 Stunden in der Krippe. Kurz nach ihrem zweiten Geburtstag habe ich den Job gewechselt und im neuen Verlag 35 Stunden gearbeitet. Dieses Pensum war mir eigentlich zu hoch, aber für eine Redaktors-Stelle pures Glück. Denn alle für mich in Frage kommenden Stellen waren in Vollzeit ausgeschrieben und so gelang es mir immerhin, den Arbeitgeber um fünf Stunden herunterzuhandeln. Privat gestalteten wir es so, dass ich morgens früh auf der Arbeit anfing, und mein Mann meine Tochter erst nach dem Frühstück gegen halb zehn in die Kita brachte. Zudem verzichtete ich auf meine Mittagspause, so dass ich sie gegen viertel vor vier wieder abholen konnte. Donnerstags arbeitete ich ganztags und meine Mutter holte Elisa schon früh von der Kita ab.

Teilzeit arbeiten während der Elternzeit - klappt leider nicht immer

Bei Brudi lief es anders. Ich wollte mit einem Einjährigen und meiner grossen Tochter auf keinen Fall so viel arbeiten. Deshalb habe ich bei ihm zwei Jahre Elternzeit eingereicht, aber beantragt, nach 15 Monaten mit einem verringertem Pensum von 27 - 30 Stunden wieder einzusteigen. In einer Firma mit mehr als 15 Mitarbeitern dürfen die Unternehmen nur aus dringenden betrieblichen Gründen dem Antrag binnen 30 Tagen widersprechen. Und so war es dann auch bei mir. Antrag abgelehnt!
Im Endeffekt zu meinem Glück. Denn kurz nach seiner Geburt beschlossen wir, in die Schweiz zu gehen. Und so musste ich nicht kündigen, sondern befand mich weiterhin in Elternzeit. Als Brudi acht Monate alt war, sind wir dann umgezogen. Ich konnte auch im Ausland weiterhin Elterngeld beziehen und war beim alten Verlag angestellt. Entsprechend blieb ich auch kostenfrei in Deutschland versichert und musste mich hier nicht selbst krankenversichern (ein paar Hundert Franken, je nach Art der Selbstbeteiligung). Und da wir damals noch nicht wussten, ob wir in der Schweiz bleiben würden, fühlte ich mich wie "rückversichert", falls unsere Auswanderung doch schief gehen sollte.

Schweizer Arbeitgeber sind flexibler

Nun habe ich in den letzten Wochen angefangen, in der Schweiz nach einer redaktionellen Anstellung Ausschau zu halten. Die grosse Überraschung: Hier gibt es erheblich mehr Teilzeit-Stellen als in Deutschland! Selbst bei Führungs-Positionen besteht häufig die Möglichkeit, diese mit einem 70 oder 80 Prozent-Pensum auszuführen. Und während in Deutschland hinter den Jobs meist nicht einmal eine Prozent-Angabe steht, weil es sich sowieso immer um Vollzeitpositionen handelt, ist hier beim Grossteil der Angebote eine Zahl von 20 - 100 angegeben. Ein Traum.

Schweizer Väter reduzieren ihr Pensum häufiger 

Entsprechend ist auch die Teilzeit-Quote der Männer in der Schweiz höher als in Deutschland. Laut DIE ZEIT haben nur sechs Prozent der deutschen Männer mit minderjährigen Kindern einen Teilzeitjob, in der Eidgenossenschaft sind es hingegen 16 Prozent. Allerdings arbeiten hier sogar bei gefühlt jedem zweiten Akademiker-Paar in unserem Bekanntenkreis beide Partner in Teilzeit, meist mit jeweils 80 Prozent. Eine tolle Regelung, so dass keiner bei seiner Karriere zurückstecken muss. Und die Kinder sind entsprechend nur drei Tage in der Betreuung, weil in der Schweiz meist immer ganze Tage gearbeitet werden. Ein weiteres Problem in Deutschland: Wer 30 Stunden oder weniger arbeitet, bekommt häufig nur Tätigkeiten mit weniger Verantwortung übertragen. Die Sozialwissenschaftlerin Lena Hipp bestätigt im oben erwähnten Artikel in der FAS, dass nur neun Prozent der Führungskräfte in Deutschland in Teilzeit arbeiten, während der Anteil in der Schweiz zwischen 15 bis 22 Prozent liegt.

Einen Nachteil gibt es in der Eidgenossenschaft jedoch: Die Kombination von gemeinsamer Steuerveranlagung und einkommensabhängigen Preisen bei Krippen und Prämienverbilligungen führt häufig zu starken Progressionen auf den Zweiteinkommen. Ein Grossteil des Mehreinkommens bei höherem Anstellungsgrad geht dadurch wieder verloren, wie die NZZ vom 5.08.2013 schreibt.

Mein persönliches Fazit: Das Elterngeld in Deutschland sowie die bis zu dreijährige Garantie auf den Arbeitsplatz sind natürlich super. Häufig kommt es jedoch zu Schwierigkeiten, wenn das Pensum nach der Elternzeit reduziert werden soll, bzw. wenn die Mütter dann mit weniger anspruchsvollen Aufgaben betraut werden.
Karriere in Teilzeit ist in der Schweiz hingegen viel leichter zu machen. Und die Jobsuche gestaltet sich nach der Babypause auch einfacher, da es viel mehr Stellen mit reduzierter Stundenzahl gibt. 

Freitag, 25. März 2016

Ausflüge mit Kindern in der Region Zürich

Nachdem ich vor einigen Wochen schon über meine Lieblings-Ausflugsziele in Hamburg geschrieben habe, geht es heute um Freizeittipps für Familien in Zürich.
Ein extrem langes Osterwochenende liegt vor uns. Denn Elisa hatte zusätzlich zum Karfreitag und Ostermontag auch den Mittwoch und Donnerstag vorher frei. Für diese Tage haben wir uns unsere Lieblings-Ausflugsziele in Zürich vorgenommen:

Bächlihof Jona

Auf den Strohballen toben, in der Matschgrube baggern, Ziegen streicheln oder hofeigene Köstlichkeiten kaufen - der Bächlihof Jona bei Rapperswil ist bei jedem Wetter einen Ausflug wert.





Besonders eindrucksvoll: Im Herbst gibt es aus Kürbissen gemachte Kunstwerke zu bestaunen, im Winter/Frühjahr Erlebniswelten aus Stroh!

http://www.juckerfarm.ch/erlebnishoefe/baechlihof

 

Wildnispark Zürich

Der mit 80 Hektar flächenmässig grösster Wildpark der Schweiz liegt in Langnau am Albis. Es gibt verschiedene Wanderstrecken, die man unternehmen kann und die jeweils an anderen Tiergehegen vorbei führen. Allerdings liegt in diesem Wildpark nicht Gehege an Gehege. Zwischendrin gibt es jede Menge Wald und Wildnis. Elisa und Brudi lieben es, durch das Gehölz zu toben, Stöcke zu sammeln oder auf Baumstämmen zu balancieren.
Von den Tieren mögen sie besonders die Przewalski-Pferde, Elche, Braunbären und Wildschweine. Die Murmeltiere haben wir bislang leider noch nie gesehen.

Der Eintritt ist kostenlos, für die Parkgebühr zahlt man jedoch zehn Franken.
www.wildnispark.ch



Freizeitanlage Wädenswil


Die Freizeitanlage bietet ein tolles Kreativ-Angebot für Kids ab Kindergarten-Alter - und für die Eltern und kleineren Geschwister ein nettes Café mit super Spielecke.
Mittwochs geht Elisa gern - ohne Anmeldung - in den Eisenbahnwaggon, um dort unter Anleitung jedes Mal ein anderes Kunstwerk zu basteln. Währenddessen gehe ich mit Brudi auf dem angrenzenden Spielplatz, ins Café oder erledige Besorgungen in der Stadt.
Für Schulkinder werden Kurse wie Holzwerkstatt, Malen, Töpfern, Backen, Glasatelier und noch viel mehr angeboten. Ausserdem gibt es spezielle Events wie Flohmärkte, Brunch oder Chasperlitheater.
www.freizeitanlage-waedi.ch/


Kinderzoo Knie

Klein, aber fein - das trifft es hier wirklich. Wir Hamburger sind ja extrem verwöhnt von Hagenbeck's Tierpark. So kann auch der Rapperswiler Zoo nicht durch Artenvielfalt bestechen, sondern vielmehr durch die besonderen Aktivitäten für Kinder. Die Kleinen können auf Kamelen, Elefanten oder Ponys reiten, Kamele füttern oder mit der Rösslitram fahren. Und zwischendurch auf dem spannenden Spielplatz toben. Ausserdem gibt es auch noch eine Seelöwen-Vorführung, wie ich es nur noch aus meiner frühen Kindheit auch aus Deutschland kenne. Elisa und Brudi machte sie viel Spass, mir  - auch aus Tierschutzgründen - eher weniger.
Eintritt: Kinder ab 4 Jahren 6 Franken. Erwachsene 19 Franken.

http://www.knieskinderzoo.ch/

NONAM - Nordamerika Native Museum

Dieses kleine Museum bietet spannende Einblicke in die Welt der Indianer und Inuit. Besonders gefallen hat Elisa dabei, dass sie in der Kinderwerkstatt ein indianisches Klangholz bemalen und mit nach Hause nehmen konnte.
Eintritt: Erwachsene 12 Franken, Kinder 6-16 J. 6 Franken

 

Park im Grüene

Einen malerischen Ausblick auf den Zürisee hat man vom Park im Grüene in Rüschlikon. Und nicht nur das: Die grosse Wiese bietet viel Platz für ein Picknick oder zum Ballspielen. Und während die Eltern den Heilkräutergarten erkunden oder inspizieren die Kleinen den tollen Spielplatz.
Darüber hinaus gibt es Mittwochs und Sonntags kostenloses Chasperlitheater sowie Bähnlifahrten (1 Fr.) und Eselreiten (1 Fr.).

http://www.parkimgruene.ch

Ausserdem stehen noch folgende Ziele auf unserer Liste: 

Zoo Zürich  386 Tierarten aus sechs Kontinenten.

Kulturama Das Museum vermittelt spannendes Wissen über den Menschen mit einer grossen Auswahl an Angeboten speziell für Kinder. 

Botanischer Garten Genug vom grauen Schmuddelwetter? In den Tropenhäusern des Botanischen Gartens kann man herrlich dem Regen entfliehen oder bei Sonnenschein einen Spaziergang im 53.000 qm grossen Garten geniessen.


Donnerstag, 24. März 2016

Gibt's den Osterhasen wirklich?

Nur noch acht Tage bis Ostern. Elisa fragt jeden Tag, wie oft sie noch schlafen muss.
Als ich Kind war, kamen ergänzend zu den Adventskalendern sogar Oster-Schoko-Kalender in die Läden, um die Wartezeit zu versüssen. Aber diese sind inzwischen anscheinend wieder aus den Supermarkt-Regalen verschwunden. Wir zählen deshalb mit "Schnüpperle - 24 Ostergeschichten" die Tage. Das Buch stammt ebenfalls noch aus meinen Kindertagen und kam 1984, einige Jahre nach der Weihnachtsversion, in den Buchhandel (Verlag cbj, empfohlen ab 6 Jahren). In den Vorjahren gefielen Elisa die Schnüpperle-Bücher noch nicht so gut, weil auf etwa vier Seiten Text nur ein Bild kommt, aber mittlerweile hat sie als Fünfjährige grosse Freude am Zuhören.

Jedes Häschen nimmt gewandt, einen Pinsel in die Hand

Auf welches Buch ich mich ausserdem jedes Jahr zur Osterzeit wieder freue: Die Häschenschule (esslinger Alfred Hahn's Verlag). Schon als Kind habe ich die Verse geliebt. Nun haben wir im letzten Jahr den grossen Sammel-Band mit drei Geschichten erworben. Geschrieben wurde die Häschenschule im Jahr 1922 von Albert Sixtus. Elisa liebt die Reime genauso wie ich:

Nun beginnt die erste Stunde, 
Häschen haben Pflanzenkunde.
Eh' sie eine Antwort geben,
müssen sie die Pfötchen heben.



Warum feiern wir eigentlich Ostern?

Da es an Ostern ja nicht nur ums Eier-Suchen geht, sondern mir wichtig ist, dass die Kinder auch erfahren, wieso wir überhaupt dieses Kirchenfest feiern, habe ich für Elisa noch "Die Geschichte von Ostern" (Verlag Herder) vor einem Jahr gekauft. Das Buch ist empfohlen für Kinder von zwei bis vier Jahren und besteht aus entsprechend dicken Papp-Seiten. Deshalb war ich mir nicht sicher, ob sie vielleicht schnell zu gross dafür sein würde. Doch ich meine, dass zwei- und dreijährige Kinder damit eher noch überfordert sind, und es stattdessen sogar noch für Sechs- und Siebenjährige geeignet ist. 

Auf einmal kamen Soldaten in den Garten.(...). Sie behandelten ihn wie einen Verbrecher. Auf einem Hügel vor der Stadt starb Jesus am Kreuz. 

Daraus ergaben sich bei Elisa nämlich Fragen, was Soldaten überhaupt sind. Ob es die auch hier und heute noch gibt und ob die immer noch böse sind. Und was ist eigentlich ein Verbrecher? Und wie funktioniert das mit dem Kreuz?
Das Buch haben wir seit dem letzten Jahr schon häufiger gelesen. Als ich sie nun neulich fragte, warum wir eigentlich Ostern feiern, war die kurze und knappe Antwort: "Abgenagelt". So kann man es auch beschreiben.
Mit Brudi schauen wir übrigens verschiedene Osterhasen-Bücher mit Klappen ab zwei Jahren an. Mit der "Geschichte von Ostern" wäre er mit knapp zwei Jahren natürlich erheblich überfordert. 

Hat der Osterhase auch eine Frau?

Übrigens glaubt Elisa noch an den Osterhasen. Ich weiss noch, dass ich mit fünf begriff, dass es ihn oder den Weihnachtsmann nicht wirklich gibt. Aber immerhin stellt sie auch immer wieder kritische Fragen:
- Wie kann denn ein nicht so schlauer Hase solche Verstecke finden?
- Wie kommt der Hase denn in die Wohnung, wenn es regnet, um die Eier zu verstecken?
- Wo wohnt der Osterhase?
- Gibt es mehrere Osterhasen?

Gar nicht so einfach, ihr die Fragen zu beantworten. Ich sage dann manchmal, vielleicht ist es ein spezieller Hase oder dass ich es auch nicht weiss. Wenn sie allerdings konkret fragen würde, ob es ihn überhaupt gibt, würde ich ihr schon die Wahrheit sagen. Ansonsten spätestens im nächsten Jahr. Denn dann ist sie in der Schule. Und ich möchte auch nicht, dass sie von ihren Mitschülern gehänselt wird, weil sie noch daran glaubt. Da aber auch die meisten ihrer Freundinnen noch an den Osterhasen glauben und auch die Kindergärtnerin den Kindern Fragen stellt à la "Was muss ein Osterhase alles können?" lasse ich ihr jetzt noch die kindliche Freude, die sie daran hat.


Bunte Eier auch an Weihnachten

Letztes Jahr war Ostern ja im April. Als ich im Mai in den Schweizer Geschäften immer noch gefärbte hartgekochte Eier vorfand, fing ich an, mich zu wundern. Warum werfen die die Eier nicht endlich weg? Es wurde Sommer, Herbst und Weihnachten. Und die Eier waren immer noch da. Ich fragte schliesslich eine Freundin, wieso es in der Schweiz das ganze Jahr über bunte Eier gibt. Sie sagte, dass man die Einfärbung zur Unterscheidung zwischen hartgekochten und rohen Eiern dient. Achso.

Ein weiterer Unterschied zwischen unserer alten Heimat und der Schweiz: Früher sind wir am Ostersamstag abends oft an den Elbstrand gefahren, wo es viele grosse Osterfeuer gab. In einigen Stadtteilen gibt es auch spezielle Feuer für Kinder, die schon am Nachmittag stattfinden. Mal schauen, was wir hier Schönes machen werden.


Und wie macht ihr das? Wie lange haben eure Kinder an den Osterhasen geglaubt? Habt ihr einen besonders schönen Osterbrauch?






Samstag, 12. März 2016

Flugzeug oder Bahn - wie reisen Kinder und Eltern am besten?


Reisen mit der Bahn kann herrlich entspannt sein. Mein Mann trägt meinen schweren Koffer plus den Kinderwagen in den Zug und verstaut alles im Abteil, während ich die Kinder auf ihre Plätze setze. Jeder von uns gibt dem Papa zum Abschied einen Kuss. Dann winken wir drei aus dem Fenster, bis er nicht mehr zu sehen ist. Elisa malt anschliessend, während Brudi mit den anderen Kindern durch das Familienabteil springt und ich mich mit deren Eltern unterhalte oder Zeitung lese. Soweit meine romantische Vorstellung. Die Realität sah beim letzten Mal leider anders aus.

Was machen denn Kinderwagen im Kinderwaggon?

Der Zug hatte am Frankfurter Hauptbahnhof immerhin nur fünf Minuten Verspätung. Auch der Andrang beim Einsteigen schien normal. Also ging ich mit Brudi, Elisa und Elisas Trolley, den sie zwar allein ziehen, aber nicht in die Bahn heben kann, vorweg und wollte unser Abteil suchen. Doch schon im Gang gab es einen Riesen Stau. Das Problem: Im speziell ausgezeichneten Familienwagen hatte jede Familie eben auch einen Kinderwagen dabei. Und wenn so ein Gefährt im Gang steht, kommen die nachfolgenden Reisenden eben kaum noch vorbei, schon gar nicht, wenn sie selbst einen Kinderwagen dabei haben. 

Das letzte, was ich von meinem Mann hörte, war also nicht ein liebevolles "Bis bald. Ich kann kaum erwarten, euch in einer Woche wiederzusehen." Stattdessen hörte ich nur ein weit entferntes Fluchen und ein "Ich muss schnell wieder aussteigen!" Unser Buggy parkte dann auch auf halber Strecke im Weg mitsamt meinem Koffer. Immerhin hatten wir das reservierte Kleinkindabteil schon fast erreicht. Die Familie vor uns wollte ebenfalls dort hinein. Doch drinnen hatten es sich schon mehrere Erwachsene bequem gemacht. "Alle bitte rausjagen", rief ich der Mutter vor mir zu. Hinter mir schimpften währenddessen die anderen Leute, die nicht weiterkamen. 

Als wir endlich im Abteil waren, und ich die Kinder auf ihre Plätze gesetzt hatte, holte ich den grossen Koffer und den Buggy. Der andere Vater versuchte indes, seinen Wagen in seine Einzelteile zu zerlegen, und dessen Aufsatz auf der Gepäckablage zu verstauen. Das Unterteil stand weiterhin draussen auf dem (Flucht-)weg. Und nun zu unserem Buggy. Er lässt sich zusammenklappen, so dass ich ihn halb unter die Sitze, halb unter meine Beine legen konnte. Zum Glück hatte ich Brudi auch einen eigenen Platz reserviert und ihn nicht auf meinen Schoss genommen. Denn eine einzige weitere Person in unserem Abteil, und wir wären alle durchgedreht. So ein Wagenabschnitt mit mehreren Kleinkindabteilen ist zwar eine tolle Idee, doch wenn der Abstellplatz für die Kinderwagen vergessen wurde, artet es alles in grösseren Stress aus als im normalen Waggon. 

Ein Vorteil des Zuges gegenüber dem Flugzeug oder Auto ist allerdings, dass sich die Kinder zwischendurch besser bewegen können - auch wenn die Reisedauer natürlich erheblich länger ist. Vom Schaffner bekommen die Kids zudem eine eigene Spiel-Fahrkarte, die sie im Bordrestaurant gegen eine kleine Box mit einem Mini-ICE und Mal- und Rätselheften einlösen kann. 

Günstige Bahnfahrt - teures Fliegen. Und Schweizer zahlen drauf

Auch preislich ist die Bahn meist erheblich günstiger als das Flugzeug: Selbst ohne Bahncard kann man kostengünstige Tickets bekommen, sofern man einige Wochen im Voraus bucht. Ich zahle häufig für die Strecke Frankfurt - Hamburg 40 bis 50 Euro für die ganze Familie. Plus neun Euro für die Sitzplatzreservierung für uns drei.

Das ist auch der Grund, warum ich grundsätzlich nach Hamburg mit der Bahn fahre und nicht fliege, auch wenn letzteres erheblich zeitsparender wäre. Denn: Die Flüge aus der Schweiz nach Deutschland sind extrem teuer. Für eine günstigste Verbindung zahlen wir - selbst wenn wir weit im Voraus buchen - mit einem Erwachsenen, einem Kind und einem Baby unter zwei Jahren bereits um die 580 Franken (ca. 530 Euro). Und im Juni wird Brudi zwei und zahlt damit fast den vollen Tarif. Ungerechterweise kostet die Strecke andersherum, also Hamburg - Zürich - Hamburg, an den gleichen Tagen bei Lufthansa/Swiss/German Wings nur um die 320 Euro. Da die Schweizer eh im Hochpreisland leben, dürfen sie wohl auch beim Fliegen kräftig draufzahlen. Unsere Lösung:

Die Anreise mit Auto und Bahn. Da die Schwiegereltern und Freunde von uns praktischerweise in Frankfurt/Main leben, fahren wir zu viert mit dem PKW von Zürich nach Frankfurt. Los geht es meist am Vormittag, so dass Brudi seinen anderthalbstündigen Mittagsschlaf machen kann, und die Fahrt dadurch für ihn nicht so lang wird. Nach der Übernachtung bei der Familie oder Freunden geht es dann am nächsten Morgen mit der Bahn weiter. Mein Mann fährt nach dem Wochenende meist zurück zum Arbeiten in die Schweiz. Zum Glück ist nicht jede Bahnfahrt so anstrengend wie die oben geschilderte. Die Rückreise machen wir übrigens per Flugzeug. Denn die Flüge ab Hamburg sind, wie ja schon erwähnt, erheblich günstiger als ab Zürich, in etwa 120 Euro für uns drei.  

Sicherlich ist es sinnvoll, auch für Kinder unter zwei Jahren einen eigenen Sitzplatz im Flieger zu buchen und einen Kindersitz mitzubringen. Kurioserweise habe ich dies bisher auf keinem meiner Flüge bei anderen Familien gesehen. Ich weiss auch nicht, wie ich diesen Sitz mitführen könnte, wenn ich mich am Gepäckband schon mit Buggy und zwei Koffern (Elisa zieht ihren ja zum Glück selbst) an der Grenze zur Überforderung befinde. Leider bieten die Airlines ja keine Sitzerhöhung zur Miete an...

So geht die Strecke wie im Flug vorbei

Auch wenn das Boden-Personal beim Boarding oft Familien mit Kindern zuerst aufruft, steige ich grundsätzlich eher spät ins Flugzeug ein. Jede Minute, die die Kids sich frei bewegen können, zählt und senkt den Stresspegel. Den Buggy nehme ich immer bis zur Flugzeugtür mit - was immerhin den Transport des Handgepäcks auf dem Flughafen erleichtert. Im Flieger habe ich für Start und Landung immer Frucht-Quetschies dabei. Denn durch das Schlucken wird der Druckausgleich im Ohr, den Kinder noch nicht selbst beherrschen, hergestellt. Für Elisa gibt es auch mal Kaugummis. 

Wenn wir Glück haben, verteilt die Flugbegleiterin noch Rätsel- oder Malhefte. Letztes Mal gab es ein Schaumstoff-Puzzle, an dem beide Kids Freude hatten. Oft kennt Elisa aber bereits alle Give-Aways. Deshalb habe ich für sie immer noch eine Kinder-Zeitschrift dabei. Auf diesen klebt ja oft ein billiges Plastik-Spielzeug, was für eine gute Stunde Flugzeit aber für beide recht spannend sein kann. Letztes Mal war es ein "Schnapp-Dinosaurier", mit dem Elisa nicht nur ihren Bruder, sondern auch den Jungen in der Reihe hinter uns bespasst hat. Nur die Security hatte so ihre Probleme mit diesen noch nie vorher gesehenen "Werkzeug". Immerhin sah es ziemlich gefährlich aus und könnte den Piloten ja ins Ohr schnappen. Nach eingehender Untersuchung und flehenden Kinderaugen durfte der Dino dann doch mit an Bord. 








Sonntag, 6. März 2016

Arztbesuche mit Hindernissen



Etwa achtmal pro Jahr leiden Kleinkinder durchschnittlich im Jahr an einer Erkältung. Da haben wir wirklich Glück gehabt. Denn Brudi kam seit Februar letzten Jahres auf einmal vier Tage plus einem weiteren Tag, an dem er schlapp auf dem Sofa lag. Elisa war seit Kindergartenbeginn in der Schweiz vor einem Jahr noch kein einziges Mal krank. Da ich die Gunst des Schicksals kaum fassen konnte, erwartete ich seit Ende Februar quasi schon den Zusammenbruch ihres Immunsystems. Besonders, da fast alle anderen Kinder ihrer Kindergarten-Gruppe von einem Infekt niedergestreckt worden sind. Hoffentlich nur nicht in den Skiferien! Doch genauso sollte es kommen. Am Tag vier des Skiunterrichts, der ihr glücklicherweise viel Spass machte, klagte Elisa morgens über Bauchweh. Da sie kein Fieber hatte, nahm ich an, dass ein wenig Bewegung auf der Piste ihren Darm in Schwung und sie ablenken würden.


Krank auf der Ski-Piste

Falsch gedacht. Schon nach drei Abfahrten konnte sie nicht mehr. Elisa hatte immer stärkere Bauchschmerzen. Und als wir uns auf den Weg zum Auto machten, musste sie erbrechen. Da stand ich nun mit meiner kranken Tochter mitten im Skigebiet, gut 40 Minuten Fahrzeit von zuhause entfernt. Ich rief gleich unseren Kinderarzt an. Er könnte uns später leider nicht drannehmen, da alle Termine schon mehrfach belegt wären. Ich sollte den diensthabenden Kollegen über den Notfalldienst der Kinderärzte linkes Züriseeufer anrufen 0900 57 57 57. Doch bevor ich dies tat, wollte ich mein Glück noch bei einem Kinderarzt versuchen, dessen Praxis nur etwa eine Viertelstunde vom Skigebiet entfernt auf unserem Heimweg lag. Leider wies man mich auch hier ab, da sie ebenfalls überfüllt wären. Sie hätten uns nur drannehmen können, wenn wir als Urlauber in den Skiferien hier wären.

Im Notfall kann es teuer werden

Also musste ich doch die Notfall-Nummer wählen. Dort begrüsste mich eine automatische Ansage: "Dieser Service kostet Sie drei Franken (knapp drei Euro) pro Minute. Wenn Sie damit einverstanden sind, bleiben Sie in der Leitung." Nicht wenig. Aber was blieb mir anderes übrig. Es meldete sich die Arzthelferin einer Praxis, dessen Namen ich leider nicht verstand. Sie meinte, sie sei gleich für mich da. Nichts passierte. Sollte ich nach drei Minuten auflegen? Dann wäre das Warten und entsprechend die Gebühr umsonst gewesen. Ich wartete also weiter. Doch nach mehr als fünf Minuten - entsprechend 18 Franken - gab ich auf. Ich wählte erneut die Nummer. "... legen Sie nicht auf." Ich blieb in der Leitung. Und wurde hinaus geworfen! Wieder drei Franken für nichts. Anruf Nummer 3. Dieses Mal bat ich die Arzthelferin gleich darum, mich in der Leitung zu lassen. Insgesamt hat mich das Telefonieren also um die 35 Franken gekostet. Ich vereinbarte einen Termin noch für den gleichen Vormittag. Glücklicherweise befand sich die Praxis im Nachbarort unseres Dorfes. Der Arzt gab uns ein starkes Abführmittel mit, da meine nächtlichen Versuche mit Kleinkind-Laxativum keine Wirkung gebracht hatten. Am nächsten Tag war Elisa wieder fit.

Krank in Hamburg

Genau eine Woche später - wir waren während der zweiten Woche der Skiferien bei meiner Mutter in Hamburg - erwischte es leider Brudi. Er hatte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag einen leichten Pseudo-Krupp-Anfall. Und da ich keine Medikamente hierfür dabei hatte, und das Wochenende bevor stand, rief ich beim Kinderarzt an. Dieses Mal bekam ich immerhin problemlos einen Termin. Doch als ich in der Praxis eintraf, konnte ich - erwartungsgemäss - nicht mit der Schweizer Krankenkassen-Karte bezahlen. Doch leider akzeptierte der Arzt auch keine EC- oder Kreditkarte. Also musste ich noch vor der Behandlung den fiebernden Brudi wieder ins Auto setzen und nach Hause zurückfahren, um Geld zu holen. Die Kinderärztin gab mir anschliessend Kortison-Zäpfchen für den Notfall mit. Zum Glück musste ich sie nicht anwenden, da Brudi in der Nacht nur noch leicht hustete. Trotzdem hoffe ich, dass ich jetzt erstmal durch bin mit den Arztbesuchen und das nächste Mal erst im Mai zur Vorsorge eine Praxis aufsuchen muss.