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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Dienstag, 2. Februar 2016

Meine Vierjährige ist plötzlich schulpflichtig - Kinderbetreuung in der Schweiz und in Deutschland



In Hamburg hatten wir zum Glück keine Schwierigkeiten eine Krippe für Elisa zu finden. Die Erzieherinnen waren liebevoll, die Ausstattung gut, das Essen Bio. Erst später wurde mir bewusst, dass die Hansestadt auch in der Finanzierung der Betreuung zwar top ist, in Sachen Betreuungsschlüssel jedoch ganz weit hinten liegt. So empfiehlt selbst die wirtschaftsnahe Bertelsmann-Stiftung, dass nicht mehr als drei unter Dreijährige auf einen Erzieher kommen. In Hamburg liegt die Quote offiziell bei 5,1. Die mir bekannten Einrichtungen haben jedoch mindestens 13 Kinder pro Gruppe mit zwei Erziehern. In einigen Krippen kommen sogar bis zu 16 unter Dreijährige auf zwei Erzieher. Und manchmal wird eine Erzieherin ja auch krank oder ist im Urlaub. Dann geht es fast nur noch um reine Versorgung. So wirbt auch die Kita von Elisa zwar mit tollen Angeboten wie Englisch, Schwimmen, Besuchen in der Kunsthalle und musikalischer Früherziehung. Vieles davon mag sinnvoll sein. Aber genügt es Zweijährigen nicht, wenn die Erzieher mit ihnen malen? Muss es eine studierte Kunstpädogogin sein? Vielleicht sollte das Geld lieber für eine Springer-Stelle in die Hand genommen werden, die zur Stelle ist, wenn jemand im Haus fehlt. Oder einfach mal zwei bis drei Kinder weniger in die Gruppe stecken. 

Schweizer Krippen: Höhere Kosten, höhere Qualität

So. Genug gemeckert. Immerhin müssen Hamburger Eltern in den letzten Jahren immer weniger für die Betreuung ausgeben. Seit August 2014 sind fünf Stunden pro Tag sogar umsonst. Wir kamen bei Elisa noch einige Monate in den Genuss der kostenlosen Betreuung und kauften nur die sechste Stunde dazu, damit ich nicht während Brudis Mittagsschlaf zur Kita eilen musste. Ganz anders im Kanton Zürich. In unserer neuen Kita kostet bereits ein einziger halber Tag 95 Franken – was beim derzeitigen Wechselkurs fast genau dem gleichen Betrag in Euro entspricht. Die Deutschen sind ja berüchtigt für ihr Gemecker über die hohen Preise in der Schweiz. Klar, mein Mann verdient erheblich mehr als in der alten Heimat. Aber während ich in Hamburg ca. 20 Prozent meines Nettogehalts für die Kinderbetreuung aufwenden musste, werden es hier mehr als zwei Drittel sein. Zum Vergleich: Ein 8-Stunden-Platz für fünf Tage kostet hier etwa 2300 Franken monatlich, in Deutschland um die 300 bis 400 Euro. Bei niedrigeren Gehältern gibt es zum Glück Subventionen. Doch wenn "Frau" wieder in den Job einsteigen will, liegt das Familieneinkommen schnell über der Höchstgrenze der Bezuschussungen, so dass sich der Zusatzerwerb finanziell kaum lohnt.
Allerdings ist hier die Qualität in den meisten Kitas höher als in Hamburg, da der Betreuungsschlüssel besser ist. In unserer Schweizer Krippe liegt er bei maximal zehn Kindern auf zwei Erzieher plus eine Lernende (meist sind jedoch nur sechs bis acht Kinder da). Wobei die Kinder zwischen null und fünf Jahren alt sind und Kinder unter 18 Monaten als Babys zählen und damit 1,5 Plätzen beanspruchen. Pro Gruppe dürfen auch nicht mehr als zwei „Babys“ sein (bei Elisa in Hamburg waren es 13!). So sind meist nur zwischen sechs und acht Kinder in einer Gruppe. Zudem werden die "Vorkindergartenkinder", also jene Kinder, die im nächsten Schuljahr in den Kindergarten kommen, aus allen drei Gruppen für mehrere Stunden täglich gemeinsam mit einem besonderen Angebot betreut. So langweilen sich die Drei- bis Fünfjährigen nicht mit den Kleinen und die jüngeren Kinder können ebenfalls altersangemessene Aktivitäten in einer ruhigen Kleingruppe machen. 
In Deutschland ist ja erst in letzter Zeit langsam die Diskussion aufgekommen, dass es nicht nur den Ausbau der Krippen, also um Quantität, sondern vor allem um Qualität geht. Und die ist hier im Vergleich zu Hamburg definitiv höher.
Glücklicherweise hatten wir auch in der Schweiz keine Probleme gleich einen Platz für Brudi zu finden. Während es vor zwei Jahren noch monatelange Wartelisten gab, buhlen jetzt die Kitas um die Kinder, denn in den letzten Jahren sind in unserem Ort zur städtischen Krippe drei weitere hinzugekommen.

Kita-Tage im Schweizer Rhythmus

Ein weiterer Unterschied besteht in den Teilzeitarbeits- bzw. Betreuungsmodellen: Während in Deutschland fast alle Kinder jeden Tag in die Kita gehen und die Eltern ihr Arbeitspensum z.B. auf fünf bis sieben Stunden täglich reduzieren, arbeitet man in der Schweiz generell an ganzen Tagen. Also 60 oder 80 Prozent - entsprechend an drei oder vier Tagen jeweils acht Stunden. Somit sind die Kinder dann z.B. am Dienstag, Mittwoch und Freitag in der Betreuung, wodurch sich meist neue Gruppenkonstellationen ergeben. Im Bekanntenkreis erzählten mir viele Mütter, dass es für ihre Kinder oft schwierig war sich an den Rhythmus zu gewöhnen, und sie jeden Tag aufs Neue fragten „ist heute Kita?“ Andererseits ist es sicherlich auch ganz schön, sich an einem Wochentag mal morgens nicht stressen zu müssen um pünktlich zur Arbeit bzw. zur Krippe zu kommen und mit seinem Kleinkind einen ganz normalen Alltag zu erleben. Die nicht ständige Verplantheit gehört ja auch zu einer schönen Kindheit.
Zwar gehen auch Schweizer Kinder, die nicht in einer Kita betreut werden, oft mit zwei oder drei Jahren ein bis zweimal die Woche für ein paar Stunden in eine Spielgruppe. An den anderen Tagen haben sie aber bis zum Kindergarteneintritt, der bei im Sommer geborenen Kindern erst mit fünf Jahren beginnen kann, „frei“.

Teure Kita, aber kostenloser Kindergarten

Für meine Tochter musste ich keine Kitagebühren mehr bezahlen. Denn der obligatorische Kindergarten ist in den zwei Jahren vor der Einschulung kostenlos. Ich hatte allerdings wirklich Glück, dass ich sie schon in den Kindergarten schicken durfte, weil sie nur wenige Tage vor dem Stichtag Geburtstag hatte. Dieser war im Jahr 2014 im Kanton Zürich der 15. Mai. (Das Datum verschiebt sich bis zum Schuljahr 2020/21 jeweils um einen halben Monat). Entsprechend sind bei der Einschulung in die Primarschule alle Kinder gut sechs Jahre alt, einige sogar schon sieben. Kein Vergleich mit Deutschland, wo manche Kinder schon mit fünfeinhalb die Schulbank drücken.
Deshalb war ich auch etwas verunsichert, ob meine Tochter nun als allerjüngste gut mit der neuen Situation und der fremden Sprache klarkommen würde. Wir – und vor allem Elisa – sind jedoch nach den ersten tränenreichen Eingewöhnungstagen sehr zufrieden mit dem „Chindsgi“. Es gibt einen festen Ablauf mit vielfältigen Möglichkeiten zum Freispiel sowie geführten Bastel-, Spiel- und und Sporteinheiten. Momentan üben die Kinder gerade Zaubertricks für eine Aufführung vor den Eltern. Ausserdem gehen die Gruppen bei so gut wie jedem Wetter täglich nach draussen. Elisa geht nun täglich von acht bis zwölf in den Chindsgi. (Eine grosse Umstellung für mich, da ich hier nun jeden Tag in der Küche stehen muss. In Hamburg hat sie stets in der Kita gegessen). Für die „Grossen“ im zweiten Kindergartenjahr gibt es zudem zweimal wöchentlich anderthalb Stunden Nachmittagsunterricht, in welchem erste Schwung- und Rechenübungen sowie Bastelaufgaben gemacht werden.
Elisa freut sich nun schon sehr auf die Schule. Und sie würde wahrscheinlich beleidigt sein, wenn ihre Berliner Freundin, die erst im Oktober sechs wird, dieses Jahr schon zur Schule kommt, und sie selbst noch ein Jahr länger warten müsste.

Hier habe ich noch zwei Links gefunden mit nützlichen Infos zum Kindergarten im Kanton Zürich sowie weiteren nützlichen Tipps zum Auswandern in die Schweiz http://www.auswandern-schweiz.org/


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