Über mich

Mein Bild
Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Donnerstag, 25. Februar 2016

Kitafahrt im Krippenalter - Wenn Ein- und Zweijährige auf Reisen gehen

Nachdem Elisa wenige Wochen im Schweizer Kindergarten war, meinte ihre Lehrerin zu mir: "Nächste Woche steht unsere Kindergartenfahrt an." Ich überlegte mir schon, wie Elisa wohl die Übernachtung mit der noch relativ fremden Gruppe meistern würde. Doch die Kindergärtnerin schaute mich überrascht an. "Nein, natürlich nur ein Tagesausflug. Für eine Übernachtung sind die Kinder doch noch viel zu klein!" Klein ist natürlich relativ. Ich finde es auch überflüssig, im Kindergartenalter schon mehrtägige Reisen zu unternehmen.
Doch in unserer alten Hamburger Kita sahen das die meisten anders, und ich befand mich mit meiner Meinung in der Minderheit. Dort war es nämlich üblich, schon im Krippenalter eine Fahrt mit zwei Übernachtungen zu unternehmen. Die Jüngsten waren knapp über einem Jahr alt.

Bin ich eine Helikopter-Mutter?

In meiner Kindheit fand die erste Reise mit Übernachtung in der vierten Klasse statt. Auf die Fahrt haben wir uns damals alle riesig gefreut. Wir waren in der Abschlussklasse der Grundschule, also die Grossen, was durch die Reise noch stärker unterstrichen wurde. Mit acht war ich bereits das erste Mal für neun Tage auf einem Ponyhof. Ich erinnere mich noch gut daran, wie stark meine neunjährige Freundin unter Heimweh litt. Und ich finde es für ein Schulkind auch völlig ok, dass es möglicherweise seine Eltern vermisst. Und für ein Kleinkind erst Recht.

Ich frage mich: Was soll denn da noch kommen, wenn schon Zwerge mit ihren Kollegen verreisen und sich später nicht mal mehr an diesen Ausflug erinnern können? Zudem ging Elisa unter der Woche täglich bis zum frühen Nachmittag in die Krippe. Da wollte ich jedenfalls am Wochenende voll für sie da sein. Da ausser zwei weiteren Kindern sonst alle anderen zehn mitfuhren, hatte ich schon fast ein schlechtes Gewissen gegenüber der Gruppe. Konnte ich nicht loslassen? Sollte meine Tochter nicht selbständig werden? Am Ende ist die Kitafahrt wohl gut gewesen und alle Kinder - und auch die Erzieher - wieder wohlauf in Hamburg angekommen.

Zerstören wir den Gruppenzusammenhalt? Wird Elisa zur Aussenseiterin?

Nächstes Jahr, gleiche Frage: Fährt Elisa dieses Mal (sie war knapp drei) mit auf Kitafahrt? Nein, auch dieses Jahr fährt sie nicht mit. Im Gegensatz zum Vorjahr konnte ich sie zwar fragen (auch wenn sie Bedeutung natürlich nicht wirklich einschätzen konnte). Eine andere Mutter erzählte mir, dass sich ihre Tochter schon riesig auf die Fahrt freue. Was ich auch glaube. Und dann wäre das Kind natürlich enttäuscht, nicht mitfahren zu dürfen. Viele Kinder wurden jedoch gar nicht gefragt. "Elisa, magst du mit den anderen Kindern verreisen und lustige Übernachtungspartys feiern oder bei Mama und Papa bleiben?" "Bei Mama und Papa bleiben."

Leichtes Stirnrunzeln von den Erziehern. Es sei ja auch wichtig für das Teambuilding. Doch Elisa blieb wieder, diesmal mit nur noch einem anderen Mädchen, zu Hause. Immerhin gönnten wir Eltern uns später noch ein Wochenende in Kopenhagen, während Oma und Opa bei uns zuhause auf sie aufpassten. Wir können sogar loslassen! Aber ich wollte sie in ihrer vertrauten Umgebung in einer familiären eins-zu-eins-Betreuung wissen.

Endlich fährt sie mit - oder doch nicht?

Nächstes Jahr, gleiche Frage. Mittlerweile war Elisa knapp vier und schon in der Elementargruppe. Unsere Auswanderung in die Schweiz stand kurz bevor. Nun wäre es für uns in Ordnung gewesen, wenn sie mitgefahren wäre. Und Elisa sagte tatsächlich "JA". Cool. Abschiedsreise für Töchterlein. Freies Wochenende für die Eltern. Naja, fast frei. Denn mittlerweile war Brudi auf der Welt.
Doch eine Woche später meinte Elisa plötzlich, sie würde nicht mehr mitfahren wollen. Das Problem: Ihre Gruppe war für Tätigkeiten wie Musik- oder Kunstunterricht in zwei Untergruppen eingeteilt. Dies war schon bei der Gruppenentstehung ein grosses Drama für Elisa. Denn ihre allerbeste Freundin, ihre zweitbeste, ihre drittbeste und viertbeste Freundin waren alle gemeinsam in einer Gruppe. In der anderen waren Elisa, Freundin Nr. 5 und ein Haufen wilder Jungs. Und entsprechend dieser Aufteilung sollten sie dann auch schlafen. Ich sprach also mit Engelszungen auf die Erzieher ein. Ob sie denn nicht mit ihrer besten Freundin zusammen übernachten könnte. Es ist doch schon so ein grosser Schritt ohne die Eltern. Aber keine Chance. Aus pädagogischen Gründen hätten sie die engsten Freundinnen getrennt, damit sie abends nicht so viel Blödsinn machen würden. Nur dass Freundin Nr. 1 nun wohl mit Nr. 2 und Nr. 3 albern sein würde, während Elisa mit Freundin Nr. 5 schüchtern mit den vielen Jungs in einem Zimmer wäre. Also verpassten wir auch diese Chance.

Was sie immerhin mitmachte: Zweimal eine Übernachtung in der Kita. Ihr hat es jeweils viel Spass gemacht. Doch für uns war der folgende Tag mit der dauerquengelnden, übermüdeten Elisa jeweils so anstrengend, dass es die Erholung des Vorabends wieder wettgemacht hatte.

Und was sagen die Experten? Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth empfiehlt auf NWZ online zum Beispiel, bei einer Reise mit den Grosseltern - sofern diese feste Bezugspersonen sind - mindestens bis zum dritten oder vierten Geburtstag zu warten. Und auch unsere Kinderärztin meinte, dass eine Kita-Reise im Krippenalter kaum Sinn machen würde.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen