Über mich

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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Donnerstag, 28. April 2016

Amrum mit Kindern - bei Sonne und Regen

Endlich wieder Amrum!
Für vier Tage sind die Kids, meine Mutter und ich auf die Nordseeinsel gefahren, auf welcher ich fast jeden Sommer meiner Kindheit verbracht habe.
Damals haben wir in einem alten Reetdachhaus meiner Tante im wohl schönsten der fünf Friesendörfer, in Nebel, gewohnt. Am liebsten erinnere ich mich an die Strandausflüge an den schier endlosen Kniepsand, an meine ersten Reitstunden und Ausritte durch die Dünen sowie an das Spielen und die Streifzüge durchs Dorf mit meiner gleichaltrigen Grosscousine, die auf Amrum wohnte.

Nun möchte ich das Amrum-Gefühl auch mit meinen Kindern teilen. Elisa hat zwei Wochen Ferien und da mein Mann nicht so oft Urlaub nehmen kann, fahren wir von Hamburg mit der Omi hin. Nach zwei Stunden Autofahrt sind wir am Fähranleger. Im Shuttle-Bus vom Parkplatz zum Anleger sind weit und breit keine anderen Kinder zu sehen. Und so stelle ich mir eine gemütliche Überfahrt vor, die meine Kinder tobend im Bällebad der Fähre verbringen. Doch als wir an Bord ankommen, toben bereits drei Schulklassen über das Schiff und zehnjährige Jungs bombardieren sich im Bällebad. Die Rundgänge über die Fähre und der Ausblick aufs Meer halten die beiden immerhin auch bei Laune. Und als sie entdecken, wie schnell man sich in den Drehsesseln drehen kann, vergeht die 90 minütige Überfahrt fast wie im Flug.

Dieses Mal wohnen wir in einer Ferienwohnung in Norddorf. Der Weg zum Strand ist viel kürzer als in Nebel und somit mit kleinen Kindern viel praktischer.  Leider ist das Wetter eher regnerisch, so dass wir am zweiten Tag kein Fahrrad ausleihen und statt die Vogelkoje zu besuchen, mit dem Bus nach Nebel fahren, um dort ins Friesencafe zu gehen.

Es gibt hier nicht nur die leckersten Torten und eine grosse Tee-Auswahl in der gemütlichen Alt-Amrumer Stube. Sondern für Kinder auch eine Kiste mit Spielzeug. Ausserdem eine feine Kinderkarte und zudem können sich die Kleinen am Tresen noch eine Süssigkeit abholen.

Ein weiterer Indoor-Tipp: das Naturzentrum Amrum. Das kleine, aber feine informative Zentrum liegt kurz vor dem Strandübergang in Norddorf und bietet verschiedene interaktive Stationen rund um das Thema Nordsee und Meeresschutz. Es ist kostenlos, der Spendentopf freut sich aber über eine Gabe.

Ausserdem bietet die Spielscheune Abenteuerland Amrum Klettergerüste und Hüpfburgen für Kids ab einem Jahr. Leider öffnete sie erst wenige Tage nach unserer Abfahrt.

Weitere Aktivitäten rund ums Basteln, Spielen und Geschichten erzählen bieten die Kurverwaltungen von Nebel, Norddorf und Wittdün an.






Sonntag, 17. April 2016

Mit oder ohne Schultüte? Gedanken zur Einschulung in der Schweiz

Letzte Woche hat Elisa ihren Schulranzen bekommen. Sie ist extrem stolz darauf und spazierte an den folgenden Tagen gleich damit durchs Dorf. Besonders praktisch finde ich an unserem Exemplar, dass sich die Bilder (momentan sind es Vögel) mittels eines Klett-Tapes austauschen lassen. Wenn sie das Motiv im nächsten Schuljahr nicht mehr leiden mag, können wir Sticker mit Meerjungfrauen, Tieren, Prinzessinnen oder andere dazu kaufen. So ist der Ranzen, der in der ersten Klasse noch cool war, in der dritten nicht plötzlich peinlich. So zumindest meine Hoffnung.

Einschulung in Deutschland - seit jeher ein ganz besonderer Tag

Ich kann mich noch gut an meine Einschulung vor 32 Jahren erinnern. Im Vorfeld habe ich mir eine Schultüte ausgesucht - glänzend rot mit schwarzer Katze drauf - neue Lackschuhe bekommen und ein schönes Kleid. Einschulungstag war - wie auch heute noch - ein Samstag. Damit auch die Verwandten mitkommen können. Und so war es auch bei mir. Neben meinen Eltern waren meine Grosseltern und die Nachbarn dabei. So wie ich auch als Dreijährige bereits auf der Einschulung meines Cousins stolz und aufgeregt dabei war, da ich ebenfalls eine - wenn auch erheblich kleinere - Schultüte bekam. In Deutschland ist die Einschulung eben ein familiäres Grossereignis. Bekannte von uns sind sogar mit Tante, Oma & Co nach der Einschulung in die Vorschule (!) (die in Hamburg ebenfalls bereits in der Grundschule absolviert werden kann) schick essen gegangen und haben dieses Ereignis ebenso wie den richtigen Schulstart gefeiert.

Einschulung in der Schweiz - ein Tag wie (fast) jeder andere

Nun sind wir seit einem Jahr in der Schweiz und Elisa kommt im Sommer in die Schule. Ich habe deshalb im Internet nach dem Einschulungstag gesucht. Fehlanzeige. Es ist halt ganz banal der erste Schultag nach den Ferien. In der Regel läuft die Einschulung hier wohl so ab, dass die Eltern ihr Kind zur Schule begleiten und die erste Stunde noch dabei bleiben. Danach geht der ganz normale Unterricht weiter.

Erster Schultag ohne Schultüte? Undenkbar für mich

Einige Kinder bringen wohl auch Schultüten mit. Dies sind dann meist Deutsche oder Schweizer, die diesen Brauch übernommen haben. Immerhin gab es im letzten Jahr in unserem lokalen Spiel- und Bastelgeschäft sogar Schultüten zu kaufen.
Und was sollen wir machen? Eine Einschulung ohne Schultüte ist für mich schwer vorstellbar. Immerhin hatten schon Elisas Gross- und Urgrosseltern eine Schultüte an diesem besonderen Tag. Und da wir häufig noch bei Freunden in Deutschland sind, wäre sie extrem enttäuscht, wenn sie nun keine Tüte bekäme. Aber damit zur Schule gehen und das typische Erstklässler-Foto machen? Ich weiss nicht. Wir wollen ja auch nicht gleich als die typischen Deutschen wahrgenommen werden und ihre Klassenkameraden neidisch machen. Also wartet die Schultüte wohl einfach darauf, vor oder nach dem ersten Schultag ausgepackt zu werden.

Und was kommt hinein? Ich erinnere mich, dass ich neben Schulutensilien auch Süssigkeiten und - besonders grosse Freude - Playmobil drin hatte. Elisa würde sich vielleicht über ein Freunde- und/oder Erstleserbuch und einen Wecker freuen.

Einen Vorteil hat es allerdings, dass Schultüten hier (noch) nicht so angesagt sind. Ich muss nicht nähen oder basteln. Meine deutschen Freundinnen haben mich zwar versucht davon zu überzeugen, dass es auch ganz einfache Bastelsets zum Erstellen der Tüten gibt. Aber dann sehen diese bestimmt auch nicht so gut aus, wie fantasievoll selbst gebastelte oder genähte. Somit bin ich froh, dass ich mich aus dem "wer kreiert die schönste Schultüte - Wettbewerb" ausklinken kann. Und weder Elisa noch ich peinlich berührt mit einer gekauften (oder misslungenen) Tüte neben den Meisterwerken der anderen stehen.

Welche Schule darf's denn sein? 

In Hamburg hätten wir die Wahl zwischen drei verschiedenen Grundschulen gehabt. Und in fast allen Fällen kommen die Kinder auch an ihre Wunschschule. Alle drei sind Ganztagsschulen. Das heisst, dass die Kinder bis um 16 Uhr kostenlos betreut werden. Bei der offenen Ganztagsschule ist die Teilnahme am Nachmittagsprogramm freiwillig. Sofern man sich dafür entscheidet, muss das Kind jedoch an mindestens vier Tagen an dem Freizeitprogramm teilnehmen.
Bei der gebundenen Ganztagsschule müssen die Kinder an vier Tagen am Nachmittagsprogramm bis 16 Uhr teilnehmen. Am fünften Tag wird Betreuung angeboten.
Früh- , Spät- und Ferienbetreuung werden von beiden Schultypen gegen Gebühr angeboten.

Nun findet in Elisas neuer Schweizer Grundschule wohl an drei Tagen Nachmittagsunterricht statt. In der Mittagspause von zwölf bis zwei gehen die Kinder nach Hause. Ausser die Eltern buchen Mittagstisch im Hort dazu. Leider ist der Hort an zwei Tagen bereits ausgebucht. So dass ich, sofern ich an diesen Tagen arbeiten muss, dafür eine Alternative suchen muss. Eine Tagesmutter oder die Unterbringung bei einer Freundin.


Elisas Grundschule ist etwa acht Minuten zu Fuss von uns entfernt. Ein schönes altes Schulhaus mit tollem Pausenhof und Blick auf den Zürisee. Doch nun lautet die Hiobsbotschaft der Schulverwaltung, dass es in diesem Jahr drei erste Klassen aus den im Dorf angesiedelten sechs Kindergärten geben wird. Es passen jedoch nur zwei Klassen in die Dorfschule. Eine ganze Klasse muss deshalb auf eine weiter entfernt liegende Schule ausweichen. Das würde für Elisa einen etwa halbstündigen Gehweg bzw. eine längere Fahrt mit dem Bus bedeuten. Und in der Mittagspause zuhause hätte sie gerade noch Zeit für einen schnellen Happen.
Nun warten wir gespannt bis Anfang Juni, an welche Schule und in welche Klasse Elisa kommen wird. Denn auch auf die Klassenzusammenstellung, also ob das Kind mit einer oder zwei Freundinnen aus dem Kindergarten zusammen gehen kann, haben die Eltern keinerlei Einfluss. Ein grosses Warten, Bangen und Hoffen...






Sonntag, 10. April 2016

Ohrringe, Prinzessinnen-Schuhe, rosa für Jungs - was darf, was kann und was geht gar nicht?

Marsha von Mutter und Söhnchen lädt zu ihrer zweiten Blogparade ein. Es geht um Kinder und ihre Lieblingsklamotten. Sucht euer Kind morgens die Klamotten aus oder wird das angezogen, was ihr rauslegt habt? Wie verändert sich das Anziehverhalten? Oder habt ihr das Gefühl, dass es schon im Kindergartenalter Gruppenzwang in Bezug auf Kleidung gibt?


Brudi zeigt glücklicherweise bisher kaum Allüren, ausser dass er am liebsten in meinen oder in Elisas Stiefeln los spaziert. Ansonsten ist es ihm egal, welches Shirt ich ihm anziehe. So lange es nicht zu eng ist oder kratzt.
Ich freue mich übrigens besonders, wenn er ältere, aber noch schöne Sachen von seiner Schwester aufträgt. Denn ich liebe sinnvolle Zweitverwendung statt Konsum: Ob Pulli, Hose, Body - oder sogar die Schuhe, obwohl sie nicht wirklich Jungs-Style sind. Aber ich finde: Bei einem noch nicht einmal Zweijährigen, dessen Füsse gerade alle zwei Monate um eine Grösseneinheit wachsen, kann man in Anbetracht der Preise für gute Kinderschuhe darüber hinweg sehen, wenn sich an der Seite ein dünner rosa Streifen über den weissen Schuh zieht. Ich stecke ihn ja nicht in lila Blümchen-Schuhe.

Ausserdem: Die Tage sind gezählt, bis er sich nicht mehr alles anziehen lässt und zudem der Grossteil von Elisas getragener Kleidung für ihn wirklich zu mädchenhaft sein wird.

Ganz anders Elisa. Nicht nur, dass sie ganz genau weiss, was sie anziehen mag und was nicht. Sie mischt sich auch bei meiner Kleider-Auswahl mit ein. "Mama, warum ziehst du denn keinen Rock mit hohen Schuhen an?" (Wir gehen lediglich zum Einkaufen und auf den Spielplatz). "An meinem Geburtstag sollst du aber ein schönes Kleid anziehen!" Ok, versprochen.

Bei Ohrringen bleibe ich streng

Ausserdem haben wir permanent Diskussionen über ein anderes Fashion-Thema: Ohrringe. "Fiona, Leonie, Lena und Lilly haben aber alle Ohrlöcher. Warum darf ich denn keine?" Weil ich in dieser Hinsicht spiessig bin. Ich vertrete nämlich eine ähnliche Ansicht wie der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Dieser ordnet Ohrlochstechen, ebenso wie Tätowierungen und Piercings bei Minderjährigen als Körperverletzung ein. So ab dem Teenager-Alter würde ich meiner Tochter das Ohrlochstechen schon erlauben. Aber ich finde bei einer Fünfjährigen muss dieses Mode-Accessoire, bei dem man Entzündungen nicht ausschliessen kann, wirklich noch nicht sein. Wir haben Elisa stattdessen Ohrschmuck zum Anclippen geschenkt.
Umso grotesker, dass ich bei meiner Internet-Recherche im Netz sogar auf eine Kinderarzt-Praxis gestossen bin, die Ohrloch-Stechen anbietet. Wenn auch "erst" ab einem Jahr. Einerseits ist dies sicherlich die bessere Alternative zu einem Frisörsalon. Andererseits wird darauf hingewiesen, dass dieser Vorgang mit geringfügigen Schmerzen verbunden sein kann. Aber wie kann ein Kinderarzt einem Kind Schmerzen zufügen, die nicht medizinisch sinnvoll sind?

Auch bei Schuhen wird nicht jeder Trend mitgemacht

Eine ähnliche Diskussion haben wir über Absatz-Schuhe. "Aber Célinas Stiefel haben auch einen kleinen Absatz. Ich will auch solche", jammert Elisa. Ja, aber ich finde, dass kleine Mädchen zum einen nicht damenhaft daher kommen müssen. Zum anderen schadet diese unnatürliche Haltung der Entwicklung ihrer Füsse und ihrer Wirbelsäule. Frühestens ab 14, 15 Jahren sollte das Tragen von Schuhen mit höherem Absatz ab und zu erlaubt sein, raten auch Orthopäden. Ausserdem: Wie soll ein Kind in Absatzschuhen noch toben, rennen und klettern?

Kleidung schon am Vorabend aussuchen, spart Stress am Morgen

Damit morgens vor dem Kindergarten beim Aussuchen der Klamotten kein Stress aufkommt, sucht Elisa sich nun jeden Abend ihre Wunsch-Kleidungsstücke heraus. Und ich berate sie, um Schlimmstes zu vermeiden. Zum Beispiel Trägerkleid ohne Shirt im Winter oder eine kompliziert zu knöpfende Bluse, wenn an dem Tag Turnen ansteht. Ansonsten überlasse ich ihr grösstenteils die Wahl.

Samstag, 2. April 2016

Karriere machen mit Kind? Warum das in der Schweiz oft besser klappt als in Deutschland

Heute schaute ich in die neue "Eltern" (Heft 4, April 2016) hinein. Interessantes Thema: Job und Kind - wie geht das anderswo? Es wurden die Elternzeit-Modelle von fünf Ländern vorgestellt - die Schweiz war leider nicht dabei. Das Fazit: Bis auf Norwegen, das bis zum ersten Geburtstag des Kindes 80 Prozent des Gehalts an die junge Mutter oder den Vater zahlt, haben es Eltern in den anderen Ländern (Korea, USA, Frankreich, Niederlande) finanziell und bezüglich der Dauer des Mutterschaftsurlaubes erheblich schlechter als in Deutschland. Die Amerikanerinnen bekommen demnach nicht einmal bezahlten Mutterschutz, grössere Unternehmen müssen lediglich zwölf Wochen unbezahlten Urlaub nach der Geburt genehmigen. Ganz neu hat Kalifornien jetzt jedoch einen je sechswöchigen bezahlten Mutterschutz für Mütter und Väter eingeführt (Spiegel online 6.4.2016).

Drei Jahre Elternzeit versus 14 Wochen

Schweizer Mütter bekommen 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Immerhin bezahlt. Die meisten Schweizerinnen arbeiten deshalb bis kurz vor der Entbindung und verlängern die 14 Wochen noch um aufgesparten Urlaub. Vielen Frauen ist diese Zeit mit ihrem Baby zuhause jedoch zu kurz. Sie verzichten entsprechend erst einmal auf ihren Job und müssen sich später einen neuen suchen. Schweizer Vätern steht per Gesetz nur ein Tag bezahlter Urlaub zu, manche grössere Unternehmen gewähren auf freiwilliger Basis etwas mehr.

Bis zu drei Jahre Elternzeit plus Elterngeld (65 Prozent des Einkommens) im ersten Jahr - dieses deutsche Modell erscheint mir nun aus Schweizer Sicht geradezu luxuriös. Bei Elisa hatte ich damals ein Jahr Elternzeit beantragt. DER Klassiker, besonders unter Akademikerinnen in den Grossstädten, wie auch die FAZ vom 26. März 2016 schreibt. Mein Mann nahm die zwei Väter-Monate dazu. Im Anschluss daran stieg ich mit 23 Stunden wieder ein, und Elisa war täglich 6,5 Stunden in der Krippe. Kurz nach ihrem zweiten Geburtstag habe ich den Job gewechselt und im neuen Verlag 35 Stunden gearbeitet. Dieses Pensum war mir eigentlich zu hoch, aber für eine Redaktors-Stelle pures Glück. Denn alle für mich in Frage kommenden Stellen waren in Vollzeit ausgeschrieben und so gelang es mir immerhin, den Arbeitgeber um fünf Stunden herunterzuhandeln. Privat gestalteten wir es so, dass ich morgens früh auf der Arbeit anfing, und mein Mann meine Tochter erst nach dem Frühstück gegen halb zehn in die Kita brachte. Zudem verzichtete ich auf meine Mittagspause, so dass ich sie gegen viertel vor vier wieder abholen konnte. Donnerstags arbeitete ich ganztags und meine Mutter holte Elisa schon früh von der Kita ab.

Teilzeit arbeiten während der Elternzeit - klappt leider nicht immer

Bei Brudi lief es anders. Ich wollte mit einem Einjährigen und meiner grossen Tochter auf keinen Fall so viel arbeiten. Deshalb habe ich bei ihm zwei Jahre Elternzeit eingereicht, aber beantragt, nach 15 Monaten mit einem verringertem Pensum von 27 - 30 Stunden wieder einzusteigen. In einer Firma mit mehr als 15 Mitarbeitern dürfen die Unternehmen nur aus dringenden betrieblichen Gründen dem Antrag binnen 30 Tagen widersprechen. Und so war es dann auch bei mir. Antrag abgelehnt!
Im Endeffekt zu meinem Glück. Denn kurz nach seiner Geburt beschlossen wir, in die Schweiz zu gehen. Und so musste ich nicht kündigen, sondern befand mich weiterhin in Elternzeit. Als Brudi acht Monate alt war, sind wir dann umgezogen. Ich konnte auch im Ausland weiterhin Elterngeld beziehen und war beim alten Verlag angestellt. Entsprechend blieb ich auch kostenfrei in Deutschland versichert und musste mich hier nicht selbst krankenversichern (ein paar Hundert Franken, je nach Art der Selbstbeteiligung). Und da wir damals noch nicht wussten, ob wir in der Schweiz bleiben würden, fühlte ich mich wie "rückversichert", falls unsere Auswanderung doch schief gehen sollte.

Schweizer Arbeitgeber sind flexibler

Nun habe ich in den letzten Wochen angefangen, in der Schweiz nach einer redaktionellen Anstellung Ausschau zu halten. Die grosse Überraschung: Hier gibt es erheblich mehr Teilzeit-Stellen als in Deutschland! Selbst bei Führungs-Positionen besteht häufig die Möglichkeit, diese mit einem 70 oder 80 Prozent-Pensum auszuführen. Und während in Deutschland hinter den Jobs meist nicht einmal eine Prozent-Angabe steht, weil es sich sowieso immer um Vollzeitpositionen handelt, ist hier beim Grossteil der Angebote eine Zahl von 20 - 100 angegeben. Ein Traum.

Schweizer Väter reduzieren ihr Pensum häufiger 

Entsprechend ist auch die Teilzeit-Quote der Männer in der Schweiz höher als in Deutschland. Laut DIE ZEIT haben nur sechs Prozent der deutschen Männer mit minderjährigen Kindern einen Teilzeitjob, in der Eidgenossenschaft sind es hingegen 16 Prozent. Allerdings arbeiten hier sogar bei gefühlt jedem zweiten Akademiker-Paar in unserem Bekanntenkreis beide Partner in Teilzeit, meist mit jeweils 80 Prozent. Eine tolle Regelung, so dass keiner bei seiner Karriere zurückstecken muss. Und die Kinder sind entsprechend nur drei Tage in der Betreuung, weil in der Schweiz meist immer ganze Tage gearbeitet werden. Ein weiteres Problem in Deutschland: Wer 30 Stunden oder weniger arbeitet, bekommt häufig nur Tätigkeiten mit weniger Verantwortung übertragen. Die Sozialwissenschaftlerin Lena Hipp bestätigt im oben erwähnten Artikel in der FAS, dass nur neun Prozent der Führungskräfte in Deutschland in Teilzeit arbeiten, während der Anteil in der Schweiz zwischen 15 bis 22 Prozent liegt.

Einen Nachteil gibt es in der Eidgenossenschaft jedoch: Die Kombination von gemeinsamer Steuerveranlagung und einkommensabhängigen Preisen bei Krippen und Prämienverbilligungen führt häufig zu starken Progressionen auf den Zweiteinkommen. Ein Grossteil des Mehreinkommens bei höherem Anstellungsgrad geht dadurch wieder verloren, wie die NZZ vom 5.08.2013 schreibt.

Mein persönliches Fazit: Das Elterngeld in Deutschland sowie die bis zu dreijährige Garantie auf den Arbeitsplatz sind natürlich super. Häufig kommt es jedoch zu Schwierigkeiten, wenn das Pensum nach der Elternzeit reduziert werden soll, bzw. wenn die Mütter dann mit weniger anspruchsvollen Aufgaben betraut werden.
Karriere in Teilzeit ist in der Schweiz hingegen viel leichter zu machen. Und die Jobsuche gestaltet sich nach der Babypause auch einfacher, da es viel mehr Stellen mit reduzierter Stundenzahl gibt.