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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Sonntag, 17. April 2016

Mit oder ohne Schultüte? Gedanken zur Einschulung in der Schweiz

Letzte Woche hat Elisa ihren Schulranzen bekommen. Sie ist extrem stolz darauf und spazierte an den folgenden Tagen gleich damit durchs Dorf. Besonders praktisch finde ich an unserem Exemplar, dass sich die Bilder (momentan sind es Vögel) mittels eines Klett-Tapes austauschen lassen. Wenn sie das Motiv im nächsten Schuljahr nicht mehr leiden mag, können wir Sticker mit Meerjungfrauen, Tieren, Prinzessinnen oder andere dazu kaufen. So ist der Ranzen, der in der ersten Klasse noch cool war, in der dritten nicht plötzlich peinlich. So zumindest meine Hoffnung.

Einschulung in Deutschland - seit jeher ein ganz besonderer Tag

Ich kann mich noch gut an meine Einschulung vor 32 Jahren erinnern. Im Vorfeld habe ich mir eine Schultüte ausgesucht - glänzend rot mit schwarzer Katze drauf - neue Lackschuhe bekommen und ein schönes Kleid. Einschulungstag war - wie auch heute noch - ein Samstag. Damit auch die Verwandten mitkommen können. Und so war es auch bei mir. Neben meinen Eltern waren meine Grosseltern und die Nachbarn dabei. So wie ich auch als Dreijährige bereits auf der Einschulung meines Cousins stolz und aufgeregt dabei war, da ich ebenfalls eine - wenn auch erheblich kleinere - Schultüte bekam. In Deutschland ist die Einschulung eben ein familiäres Grossereignis. Bekannte von uns sind sogar mit Tante, Oma & Co nach der Einschulung in die Vorschule (!) (die in Hamburg ebenfalls bereits in der Grundschule absolviert werden kann) schick essen gegangen und haben dieses Ereignis ebenso wie den richtigen Schulstart gefeiert.

Einschulung in der Schweiz - ein Tag wie (fast) jeder andere

Nun sind wir seit einem Jahr in der Schweiz und Elisa kommt im Sommer in die Schule. Ich habe deshalb im Internet nach dem Einschulungstag gesucht. Fehlanzeige. Es ist halt ganz banal der erste Schultag nach den Ferien. In der Regel läuft die Einschulung hier wohl so ab, dass die Eltern ihr Kind zur Schule begleiten und die erste Stunde noch dabei bleiben. Danach geht der ganz normale Unterricht weiter.

Erster Schultag ohne Schultüte? Undenkbar für mich

Einige Kinder bringen wohl auch Schultüten mit. Dies sind dann meist Deutsche oder Schweizer, die diesen Brauch übernommen haben. Immerhin gab es im letzten Jahr in unserem lokalen Spiel- und Bastelgeschäft sogar Schultüten zu kaufen.
Und was sollen wir machen? Eine Einschulung ohne Schultüte ist für mich schwer vorstellbar. Immerhin hatten schon Elisas Gross- und Urgrosseltern eine Schultüte an diesem besonderen Tag. Und da wir häufig noch bei Freunden in Deutschland sind, wäre sie extrem enttäuscht, wenn sie nun keine Tüte bekäme. Aber damit zur Schule gehen und das typische Erstklässler-Foto machen? Ich weiss nicht. Wir wollen ja auch nicht gleich als die typischen Deutschen wahrgenommen werden und ihre Klassenkameraden neidisch machen. Also wartet die Schultüte wohl einfach darauf, vor oder nach dem ersten Schultag ausgepackt zu werden.

Und was kommt hinein? Ich erinnere mich, dass ich neben Schulutensilien auch Süssigkeiten und - besonders grosse Freude - Playmobil drin hatte. Elisa würde sich vielleicht über ein Freunde- und/oder Erstleserbuch und einen Wecker freuen.

Einen Vorteil hat es allerdings, dass Schultüten hier (noch) nicht so angesagt sind. Ich muss nicht nähen oder basteln. Meine deutschen Freundinnen haben mich zwar versucht davon zu überzeugen, dass es auch ganz einfache Bastelsets zum Erstellen der Tüten gibt. Aber dann sehen diese bestimmt auch nicht so gut aus, wie fantasievoll selbst gebastelte oder genähte. Somit bin ich froh, dass ich mich aus dem "wer kreiert die schönste Schultüte - Wettbewerb" ausklinken kann. Und weder Elisa noch ich peinlich berührt mit einer gekauften (oder misslungenen) Tüte neben den Meisterwerken der anderen stehen.

Welche Schule darf's denn sein? 

In Hamburg hätten wir die Wahl zwischen drei verschiedenen Grundschulen gehabt. Und in fast allen Fällen kommen die Kinder auch an ihre Wunschschule. Alle drei sind Ganztagsschulen. Das heisst, dass die Kinder bis um 16 Uhr kostenlos betreut werden. Bei der offenen Ganztagsschule ist die Teilnahme am Nachmittagsprogramm freiwillig. Sofern man sich dafür entscheidet, muss das Kind jedoch an mindestens vier Tagen an dem Freizeitprogramm teilnehmen.
Bei der gebundenen Ganztagsschule müssen die Kinder an vier Tagen am Nachmittagsprogramm bis 16 Uhr teilnehmen. Am fünften Tag wird Betreuung angeboten.
Früh- , Spät- und Ferienbetreuung werden von beiden Schultypen gegen Gebühr angeboten.

Nun findet in Elisas neuer Schweizer Grundschule wohl an drei Tagen Nachmittagsunterricht statt. In der Mittagspause von zwölf bis zwei gehen die Kinder nach Hause. Ausser die Eltern buchen Mittagstisch im Hort dazu. Leider ist der Hort an zwei Tagen bereits ausgebucht. So dass ich, sofern ich an diesen Tagen arbeiten muss, dafür eine Alternative suchen muss. Eine Tagesmutter oder die Unterbringung bei einer Freundin.


Elisas Grundschule ist etwa acht Minuten zu Fuss von uns entfernt. Ein schönes altes Schulhaus mit tollem Pausenhof und Blick auf den Zürisee. Doch nun lautet die Hiobsbotschaft der Schulverwaltung, dass es in diesem Jahr drei erste Klassen aus den im Dorf angesiedelten sechs Kindergärten geben wird. Es passen jedoch nur zwei Klassen in die Dorfschule. Eine ganze Klasse muss deshalb auf eine weiter entfernt liegende Schule ausweichen. Das würde für Elisa einen etwa halbstündigen Gehweg bzw. eine längere Fahrt mit dem Bus bedeuten. Und in der Mittagspause zuhause hätte sie gerade noch Zeit für einen schnellen Happen.
Nun warten wir gespannt bis Anfang Juni, an welche Schule und in welche Klasse Elisa kommen wird. Denn auch auf die Klassenzusammenstellung, also ob das Kind mit einer oder zwei Freundinnen aus dem Kindergarten zusammen gehen kann, haben die Eltern keinerlei Einfluss. Ein grosses Warten, Bangen und Hoffen...






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