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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Samstag, 2. April 2016

Karriere machen mit Kind? Warum das in der Schweiz oft besser klappt als in Deutschland

Heute schaute ich in die neue "Eltern" (Heft 4, April 2016) hinein. Interessantes Thema: Job und Kind - wie geht das anderswo? Es wurden die Elternzeit-Modelle von fünf Ländern vorgestellt - die Schweiz war leider nicht dabei. Das Fazit: Bis auf Norwegen, das bis zum ersten Geburtstag des Kindes 80 Prozent des Gehalts an die junge Mutter oder den Vater zahlt, haben es Eltern in den anderen Ländern (Korea, USA, Frankreich, Niederlande) finanziell und bezüglich der Dauer des Mutterschaftsurlaubes erheblich schlechter als in Deutschland. Die Amerikanerinnen bekommen demnach nicht einmal bezahlten Mutterschutz, grössere Unternehmen müssen lediglich zwölf Wochen unbezahlten Urlaub nach der Geburt genehmigen. Ganz neu hat Kalifornien jetzt jedoch einen je sechswöchigen bezahlten Mutterschutz für Mütter und Väter eingeführt (Spiegel online 6.4.2016).

Drei Jahre Elternzeit versus 14 Wochen

Schweizer Mütter bekommen 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Immerhin bezahlt. Die meisten Schweizerinnen arbeiten deshalb bis kurz vor der Entbindung und verlängern die 14 Wochen noch um aufgesparten Urlaub. Vielen Frauen ist diese Zeit mit ihrem Baby zuhause jedoch zu kurz. Sie verzichten entsprechend erst einmal auf ihren Job und müssen sich später einen neuen suchen. Schweizer Vätern steht per Gesetz nur ein Tag bezahlter Urlaub zu, manche grössere Unternehmen gewähren auf freiwilliger Basis etwas mehr.

Bis zu drei Jahre Elternzeit plus Elterngeld (65 Prozent des Einkommens) im ersten Jahr - dieses deutsche Modell erscheint mir nun aus Schweizer Sicht geradezu luxuriös. Bei Elisa hatte ich damals ein Jahr Elternzeit beantragt. DER Klassiker, besonders unter Akademikerinnen in den Grossstädten, wie auch die FAZ vom 26. März 2016 schreibt. Mein Mann nahm die zwei Väter-Monate dazu. Im Anschluss daran stieg ich mit 23 Stunden wieder ein, und Elisa war täglich 6,5 Stunden in der Krippe. Kurz nach ihrem zweiten Geburtstag habe ich den Job gewechselt und im neuen Verlag 35 Stunden gearbeitet. Dieses Pensum war mir eigentlich zu hoch, aber für eine Redaktors-Stelle pures Glück. Denn alle für mich in Frage kommenden Stellen waren in Vollzeit ausgeschrieben und so gelang es mir immerhin, den Arbeitgeber um fünf Stunden herunterzuhandeln. Privat gestalteten wir es so, dass ich morgens früh auf der Arbeit anfing, und mein Mann meine Tochter erst nach dem Frühstück gegen halb zehn in die Kita brachte. Zudem verzichtete ich auf meine Mittagspause, so dass ich sie gegen viertel vor vier wieder abholen konnte. Donnerstags arbeitete ich ganztags und meine Mutter holte Elisa schon früh von der Kita ab.

Teilzeit arbeiten während der Elternzeit - klappt leider nicht immer

Bei Brudi lief es anders. Ich wollte mit einem Einjährigen und meiner grossen Tochter auf keinen Fall so viel arbeiten. Deshalb habe ich bei ihm zwei Jahre Elternzeit eingereicht, aber beantragt, nach 15 Monaten mit einem verringertem Pensum von 27 - 30 Stunden wieder einzusteigen. In einer Firma mit mehr als 15 Mitarbeitern dürfen die Unternehmen nur aus dringenden betrieblichen Gründen dem Antrag binnen 30 Tagen widersprechen. Und so war es dann auch bei mir. Antrag abgelehnt!
Im Endeffekt zu meinem Glück. Denn kurz nach seiner Geburt beschlossen wir, in die Schweiz zu gehen. Und so musste ich nicht kündigen, sondern befand mich weiterhin in Elternzeit. Als Brudi acht Monate alt war, sind wir dann umgezogen. Ich konnte auch im Ausland weiterhin Elterngeld beziehen und war beim alten Verlag angestellt. Entsprechend blieb ich auch kostenfrei in Deutschland versichert und musste mich hier nicht selbst krankenversichern (ein paar Hundert Franken, je nach Art der Selbstbeteiligung). Und da wir damals noch nicht wussten, ob wir in der Schweiz bleiben würden, fühlte ich mich wie "rückversichert", falls unsere Auswanderung doch schief gehen sollte.

Schweizer Arbeitgeber sind flexibler

Nun habe ich in den letzten Wochen angefangen, in der Schweiz nach einer redaktionellen Anstellung Ausschau zu halten. Die grosse Überraschung: Hier gibt es erheblich mehr Teilzeit-Stellen als in Deutschland! Selbst bei Führungs-Positionen besteht häufig die Möglichkeit, diese mit einem 70 oder 80 Prozent-Pensum auszuführen. Und während in Deutschland hinter den Jobs meist nicht einmal eine Prozent-Angabe steht, weil es sich sowieso immer um Vollzeitpositionen handelt, ist hier beim Grossteil der Angebote eine Zahl von 20 - 100 angegeben. Ein Traum.

Schweizer Väter reduzieren ihr Pensum häufiger 

Entsprechend ist auch die Teilzeit-Quote der Männer in der Schweiz höher als in Deutschland. Laut DIE ZEIT haben nur sechs Prozent der deutschen Männer mit minderjährigen Kindern einen Teilzeitjob, in der Eidgenossenschaft sind es hingegen 16 Prozent. Allerdings arbeiten hier sogar bei gefühlt jedem zweiten Akademiker-Paar in unserem Bekanntenkreis beide Partner in Teilzeit, meist mit jeweils 80 Prozent. Eine tolle Regelung, so dass keiner bei seiner Karriere zurückstecken muss. Und die Kinder sind entsprechend nur drei Tage in der Betreuung, weil in der Schweiz meist immer ganze Tage gearbeitet werden. Ein weiteres Problem in Deutschland: Wer 30 Stunden oder weniger arbeitet, bekommt häufig nur Tätigkeiten mit weniger Verantwortung übertragen. Die Sozialwissenschaftlerin Lena Hipp bestätigt im oben erwähnten Artikel in der FAS, dass nur neun Prozent der Führungskräfte in Deutschland in Teilzeit arbeiten, während der Anteil in der Schweiz zwischen 15 bis 22 Prozent liegt.

Einen Nachteil gibt es in der Eidgenossenschaft jedoch: Die Kombination von gemeinsamer Steuerveranlagung und einkommensabhängigen Preisen bei Krippen und Prämienverbilligungen führt häufig zu starken Progressionen auf den Zweiteinkommen. Ein Grossteil des Mehreinkommens bei höherem Anstellungsgrad geht dadurch wieder verloren, wie die NZZ vom 5.08.2013 schreibt.

Mein persönliches Fazit: Das Elterngeld in Deutschland sowie die bis zu dreijährige Garantie auf den Arbeitsplatz sind natürlich super. Häufig kommt es jedoch zu Schwierigkeiten, wenn das Pensum nach der Elternzeit reduziert werden soll, bzw. wenn die Mütter dann mit weniger anspruchsvollen Aufgaben betraut werden.
Karriere in Teilzeit ist in der Schweiz hingegen viel leichter zu machen. Und die Jobsuche gestaltet sich nach der Babypause auch einfacher, da es viel mehr Stellen mit reduzierter Stundenzahl gibt. 

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