Über mich

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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Wenn Kinder allein fliegen - Elisas Reise als UM mit Swiss

Seit zwei Monaten stehe ich wieder in Lohn und Brot, Elisa hat sich an den Hort gewöhnt und Brudi an die Kita. Und nun sind fünf Wochen Schulferien. Während der zweiwöchigen Schliesszeit der Kita reisen wir nach Frankreich, eine weitere Woche Urlaub nimmt mein Mann. Bleiben zwei Wochen, in denen Elisa nicht betreut ist. Immerhin wird ab der zweiten Ferienwoche ein Ferienhort angeboten, den man an einzelnen Tagen buchen kann. Doch Elisa möchte auf keinen Fall dorthin. Sie möchte stattdessen zur Omi nach Hamburg und das bedeutet, dass sie die Strecke, die wir in letzter Zeit so oft zusammen geflogen sind, dieses Mal allein bewältigt. Swiss bietet auf verschiedenen Strecken diesen Service für Kinder ab fünf Jahren den Service für UM (Unbegleitete Minderjährige / Unaccompanied Minors) an.

Flugzeuge in meinem Bauch

Je näher der Abflug rückte, desto aufgeregter wurde Elisa. Klar freute sie sich riesig auf ihre Oma in Hamburg, aber ganz alleine fliegen? Der Gedanke machte ihr doch etwas Angst, aber ich beteuerte immer wieder wie kurz der Flug sei und dass ich ihr eine Überraschungs-Tasche mitgeben würde. In diese steckte ich ein Klebe-Album, Kekse, Bonbons und einen Lolli. Es würde ihr die Zeit hoffentlich etwas versüssen und sie ablenken. Als wir am Flughaften Zürich ankamen, erwartete uns am ersten Ferienwoche schon eine Riesen-Menschenmenge vor dem Swiss-Abflugschalter. Zum Glück mussten wir uns dort nicht anstellen, sondern konnten an den Counter Special Service gehen. Dort war es zwar auch voll, aber man konnte eine Nummer ziehen und sich in den Wartebereich setzen. Als wir schliesslich an der Reihe waren und die von mir im Vorfeld ausgefüllten Handling Advices gecheckt worden waren, steckte der Mann vom Bodenpersonal diese zusammen mit Elisas Pass und der Bordkarte in eine Papptasche, die ihr um den Hals gehängt wurde. Auch für mich stellte er ein Dokument aus, so dass ich sie bis zum Gate bringen konnte.

Mit der Zeit, als immer mehr Passagiere dort eintrafen, wurden Elisa und ich immer nervöser. Wobei ich mir das ja nicht anmerken durfte und sie stattdessen bestärkte. Als der Check-In begann, wurden zuerst die "normalen" Passagiere an Bord gelassen. Zum Schluss sammelten sich die Kinder. Wobei Elisa mit Abstand die jüngste war. Das zweitjüngste Mädchen war acht, aber war in Begleitung älterer Geschwister. Die restlichen vier Kinder waren zwischen elf und 15. Als alle Kids hinter dem Check In Durchgang standen, marschierte der Flugbegleiter flotten Schrittes voran - und Elisa hetzte hinterher. Ich konnte es durchs Fenster beobachten.

Da ich solange vor dem Check-In warten musste, bis das Flugzeug auch tatsächlich gestartet ist, hatte ich mir dafür eigentlich extra eine Zeitung gekauft. Aber dazu kam ich nicht, weil ich die ganze Zeit nur aus dem Fenster schaute und darauf wartete, dass es endlich losgehen würde. Da sass nun Elisa ganz allein, sie würde von sich aus wahrscheinlich nicht einmal die Flugbegleiter ansprechen, wenn etwas sein sollte, und ich hoffte, dass eine nette Person neben ihr sitzen würde.

Nach einem gefühlt schier endlosem Warten ging es endlich los und das Flugzeug setzte sich mit 20 Minuten Verspätung in Bewegung.


Mit zehnminütiger Verspätung landete sie schliesslich in Hamburg. Erleichtert schlossen sich Oma und Enkelin in die Arme. Immerhin kündigte Elisa schon an, dass sie, sobald Brudi fünf wird, ihn mitnimmt und auf ihn aufpasst. Die Chancen stehen also gut, dass sie auch für den Rückflug nochmals in den Flieger steigen wird.

 

 

Die Kosten und was sonst noch zu beachten ist

Pro Strecke innerhalb Europas kostet der Service 60 Euro extra.
Bei der telefonischen Buchung muss die jeweilige Person, die das Kind bringt und die es abholt, angegeben werden. Ferner müssen für die Strecke Zürich - Hamburg - Zürich vier Kopien mit den entsprechenden Adressen und die Unterschrift für eine etwaige Kostenübernahme, sollte die Abholperson nicht kommen, ausgefüllt und mitgegeben werden.



Sonntag, 3. Juli 2016

Die (deutsche) Elternzeit ist vorbei - der (Schweizer) Job ist da

Gerade haben wir Brudis zweiten Geburtstag gefeiert. Und just um diesen Zeitpunkt habe ich eine tolle Stelle als Chefredakteurin eines Gesundheits-Magazins gefunden. Alles passt perfekt! Bis auf den knapp einstündigen Arbeitsweg. Aber sonst: Super Job, nettes Team, gutes Teilzeitmodell (70%, davon drei ganze Tage in der Redaktion und ein halber Tag im Home Office). Also kündigte ich zu Ende Mai meine Stelle in einem Hamburger Verlag. Ich hatte kurz zuvor die Elternzeit von ursprünglich zwei auf drei Jahre verlängert.  

Zwei Jahre Auszeit - perfekt für uns

Dieses Mal sind die zwei Jahre für mich wirklich perfekt gewesen. Bei Elisa freute ich mich, nach einem Jahr wieder arbeiten zu können. Es war einfach mega anstrengend mit ihr zuhause und die 23 Stunden, mit denen ich wieder in der alten Firma anfing, waren geradezu entspannend im Vergleich. Zudem habe ich einfach das gemacht, was fast alle Hamburger Akademiker-Mütter gemacht haben und was politisch erwünscht war: Nach einem Jahr Elternzeit wieder in den Beruf zurück zu kehren. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich den Eintritt in die Kita mit einem Jahr relativ ungünstig finde. Es kann sich noch kaum verständigen und befindet sich meist in der Fremdelphase. Auch internationale Kinderpsychologen wie Wassilios Fthenakis oder Karin Grossmann empfehlen, Kinder möglichst nicht vor anderthalb Jahren in die Kita zu geben. Der Erziehungs-Papst Jesper Juul gibt zu bedenken, dass die meisten Kleinkinder die Krippen-Betreuung zwar gut verkraften, aber eben jedes fünfte Kind unter zwei Jahren Probleme entwickelt. Klar, kann man es sich aus finanzieller Sicht oft nicht aussuchen. Und sicher ist es auch fürs Kind besser, früher in die Kita zu kommen und eine ausgeglichene Mutter zu haben als mit einer unglücklichen, die lieber arbeiten möchte, den ganzen Tag zuhause zu bleiben. Zudem stehen die Schweizer Mütter im Gegensatz zu den deutschen ja bereits nach dem 14 wöchigen Mutterschutz vor der Wahl, wieder in den Beruf zurückzukehren oder den Job beim bisherigen Arbeitgeber ganz aufzugeben. Da bin ich ganz froh, dass ich bei Brudi und Elisa diese schwierige Entscheidung nicht treffen musste, sondern die Luxus-Variante mit einem, zwei oder drei Jahren Auszeit wählen konnte.


Mittwochs ist unser freier Tag

Deshalb war es für mich eine wirklich glückliche Fügung, gerade jetzt eine Stelle zu finden. Ich kann Brudi nun guten Gewissens in die Kita geben und auch Elisa hat sich mittlerweile sehr gut in der Schweiz eingelebt. Hätte ich sie gleich zu Beginn in den Hort gegeben, wäre es wahrscheinlich etwas viel für sie gewesen, da sie schon mit der Eingewöhnung in den Schweizer Kindergarten genug zu tun hatte.
Brudi geht jetzt Montags und Dienstags von halb neun bis um viertel vor fünf und Donnerstags / Freitags von acht bis zwei. Somit haben wir den ganzen Mittwoch gemeinsam und den Donnerstag Nachmittag, Freitags holt ihn der Papa ab.

Weniger Familienzeit

Für mich bedeutet dies nun, an den Arbeitstagen sehr früh aufzustehen, um gegen halb sieben im Auto Richtung Zürich zu sitzen, um dort gegen halb acht mit der Arbeit anzufangen. Gegen halb fünf fahre ich dann wieder zurück und treffe gegen halb sechs zuhause ein. Entsprechend sehe ich die Kinder an drei Tagen morgens in der Woche gar nicht und abends auch nur zwei bis drei Stunden. Das ist wirklich grenzwertig für mich, deshalb wären ein 80%-Job mit vier Bürotagen auch definitiv 10% zuviel. Es gibt in meinem Bekanntenkreis einige Frauen, die, wie ihre Männer, 80% arbeiten. So hat jeder einen Kindertag und die Kinder sind entsprechend drei ganze Tage in der Kita. Das wäre für mich aber nichts. Ich geniesse wirklich den Home Office Tag mit dem zusätzlichen freien Nachmittag. Ich bin auch sehr froh darüber, dass mein Mann die Kinder morgens hinbringt und am späten Nachmittag abholt. So ist der Kleine nicht ganz so lange in der Kita.

Manchmal erschöpft - aber sehr glücklich

Mein Fazit: Es ist ziemlich anstrengend, gerade wenn Brudi mal eine schlechte Nacht hat. Aber mir macht es trotzdem sehr viel Spass, nicht nur den ganzen Tag zuhause zu sein, sondern meinem spannenden Beruf nachzugehen, interessante Menschen zu treffen und dreimal die Woche mit Kollegen zusammen zu arbeiten. Auch wenn Elisa sich manchmal beschwert, dass sie in den Hort gehen muss (es sind nur zwei Nachmittage!), möchte ich ihr trotzdem vermitteln, dass es gut und wichtig sein kann, für Frauen Mutter und Arbeitnehmerin gleichzeitig zu sein - und zudem bereitet es mir grosse Freude.

Im Gegensatz zu Hamburg, wo ich im Bekanntenkreis, im Pekip-Kurs oder in der Kita fast nur Mütter kannte, die ein Jahr, in seltenen Fällen auch 1,5 oder 2 Jahre aussetzten, aber wirklich niemand länger als drei Jahre keiner (Teilzeit-)Tätigkeit nachging, ist es in der Schweiz ganz anders. In Elisas Kindergarten, der eine breite soziale Mischung aufweist, arbeitet ungefähr die Hälfte der Mütter der Fünf- bis Sechsjährigen gar nicht. Und ich gehöre mit einem 70% Pensum sowieso zu den Ausnahmen. Der Haupt-Grund dafür, dass viele Frauen (noch) nicht arbeiten, liegt wahrscheinlich in den hohen Kita-Kosten (sofern noch jüngere Geschwisterkinder da sind) sowie in der Steuerprogression, die dafür sorgen, dass sich die Arbeit finanziell überhaupt nicht rentiert. Und durch die höheren Einkommen der Männer in der Schweiz ist es auch häufiger möglich, dass Frauen zuhause bleiben können. Was ja ebenfalls ok ist, wenn man die Familienzeit intensiv nutzen möchte.