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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Samstag, 27. August 2016

Einschulung à la Suisse

Am Montag war es endlich so weit: Elisa wurde eingeschult!
Im Vorfeld haben wir hin- und herüberlegt, ob wir denn die Schultüte mit zur Schule nehmen oder nicht. Und wie andere Deutsche das hier machen würden. So gibt es in unserem Bekanntenkreis auch einige Landsleute, die für ihre Kinder gar keine Schultüte machen. Da Elisa dies aber nun bestens von ihren deutschen Freunden kennt und sich schon länger darauf freut, stand es für uns ausser Frage eine für sie zu machen. Zum Glück brauchte ich als Näh- und Bastelniete nicht beim stillen Wettbewerb "wer bastelt die schönste Schultüte" mitmachen, dem ich in Hamburg sicherlich ausgeliefert gewesen wäre. Laut einer Studie des Onlinediestleisters RetailMeNot haben 62% der Eltern den Anspruch, ihrem Kind die schönste Schultüte zu schenken! Ich muss mich mit meiner gekauften hier aber jedenfalls nicht blamieren. Denn im Endeffekt bekam sie kein Fremder zu Gesicht, da wir sie nicht mit zur Schule nahmen. Elisa empfand sie sowieso als zu schwer und war froh, sie nicht tragen zu müssen. Vor ein paar Tagen las ich übrigens im Hamburger Abendblatt, dass Hamburger Eltern besonders knauserig wären bei der Bestückung der Schultüten: Nur knapp 36 Euro geben sie demnach im Durchschnitt für die Schultüte samt Inhalt aus — Thüringer Eltern lassen sich das Geschenk zur Einschulung dagegen mehr als doppelt so viel kosten, rund 80 Euro! Und ich frage mich, was um alles in der Welt sie ihren Kindern da hineintun? Bei Elisa waren es ein "Freunde-Buch" für die Schule, ein Buch für Leseanfänger, ein Stickerheft und Süssigkeiten. Die Geschenke der Grosseltern (eine Armbanduhr und ein personalisiertes Buch "Elisa im Schulexpress") bekam sie allerdings separat. Jedes 17. Kind findet laut Abendblatt sogar ein Handy in der Schultüte!


Schultüte auch für Geschwister?

Brudi bekam übrigens auch ein Mini-Modell - mit einem kleinen Auto und einer Armbanduhr aus Zucker darin. Nun band Brudi seiner allerdings nicht ebenfalls um, sondern lutschte und knabberte sie gleich auf. Manche kritisieren ja, dass bei der Einschulung das grosse Kind im Mittelpunkt steht und die kleinen Geschwister nicht auch noch eine Tüte brauchen. Ich wusste jedoch zum einen, dass der Start in den Morgen in Geschrei ausarten würden, weil Brudi mit seinen zwei Jahren ziemlich neidisch sein würde, und nicht nachvollziehen könnte, wenn er keine bekäme. Zum anderen erinnere ich mich selbst noch gern daran, wie ich als Vierjährige stolz am Einschulungstag meines Cousins mit einer kleinen Schultüte neben ihm posierte.

Durchs Sonnenblumenspalier in die 1b

Danach gingen wir bei schönstem Spätsommerwetter zur Schule. Ich war gespannt, wie die Einschulung in der Schweiz sein würde. Es wird hier ja allgemein weniger Trara um die Einschulung gemacht als in Deutschland, was ich eigentlich ein bisschen schade finde. Grosseltern und andere Verwandte sind so gut wie nie dabei, kleinere Geschwister können im "Hütedienst" abgegeben werden. Wir wussten auch nicht, inwiefern es überhaupt eine Art Zeremonie zu Beginn geben würde. Treffpunkt der neuen Erstklässler und ihrer Eltern war der Schulhof. Dort stellten sich die Kinder der 1a und der 1b reihenweise auf. Elisa war etwas eingeschüchtert aufgrund der vielen Erwachsenen und Kinder. Und sie war traurig, dass ihre beste Freundin in der Parallelklasse sein würde. Ihre zweitbeste Freundin trafen wir noch auf dem Weg zur Schule an der Bushaltestelle, sie muss ja, obwohl sie nur drei Minuten von uns weg wohnt, ins weit entfernte Schulhaus.
Zum Glück waren in ihrer Klasse immerhin zwei Mädchen, die sie kannte, und so stelle sie sich neben einer Freundin aus dem Kindergarten auf. Dann sangen die Zweit- und Drittklässler ein Lied und der Direktor sprach Willkommensworte. In der Schweiz umfasst die Primarschule übrigens die Klassen 1 - 6. An Elisas Schule sind jedoch nur die Schüler bis zur dritten Klasse untergebracht. Also alles ziemlich cosy. Anschliessend stellten sich die älteren Schüler mit je einer langen Sonnenblume in der Hand im Spalier auf und die Erstklässler sollten je zu zweit hindurchgehen. Zuvor wurden sie jeweils noch per Mikrofon mit ihrem Namen vom Schulleiter begrüsst. Ich wusste, dass Elisa es nicht besonders cool findet, so im Mittelpunkt zu stehen. Doch sie meisterte die Situation zum Glück souverän.

Anton, die Leseratte

Als alle Schüler hindurchgegangen waren, gingen die Kinder hinter ihrer Lehrerin her in die jeweilige Klasse - Elisa in die 1b. Wir Eltern durften auch mitkommen. Und so waren wir dabei, als die Lehrerin mit den Kindern das Lied "Ich bin jetzt ein Schulkind" sang, die Stoffleseratte "Anton" vorstellte und eine Geschichte dazu vorlies. Er soll von nun an die Kinder beim Lesen lernen unterstütze. Im Anschluss durfte sich jedes Kind einen Platz aussuchen. Dann malten die Kinder ihre Namensschilder aus und schon klingelte es auch schon zur grossen Pause und die Eltern wurden nach Hause geschickt. Mein Mann holte Elisa um zwölf wieder ab und ich musste zur Arbeit fahren und konnte beim Auspacken der Schultüte leider nicht dabei sein. Elisa ist in der Bären-Gruppe und hatte am Nachmittag frei, die Tiger aus der Klasse mussten um 14:00 für zwei weitere Unterrichtsstunden wieder hin. Ganz schön viel für so einen spannenden ersten Schultag, wie ich finde.

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