Über mich

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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Vierjährige allein im Schweizer Strassenverkehr - Blogparade

Drei Stunden vor Toreschluss mache ich auch gern mit bei Wiebkes Blogparade "Augen auf im Strassenverkehr". 
Vor zwei Jahren lebten wir noch in Hamburg-Eppendorf. Da gab es viel Verkehr und jede Menge Ampeln. Natürlich wusste die damals vierjährige Elisa, dass sie an roten Ampeln warten musste und erst bei grün gehen durfte. Zur Kita fuhren wir grundsätzlich mit dem Fahrrad, wobei sie hinten im Kindersitz sass, weil der Weg zu lang zum Laufen oder selber Radeln war.

Im Februar 2015, da war sie gute viereinhalb Jahre alt, verschlug es uns von der Alster in ein 9000-Seelen-Dorf an den Schweizer Zürisee. Hier gab es keine Ampeln, aber natürlich auch viele Autos und jede Menge Kreisverkehre und Zebrastreifen. Was mich zum einen erstaunte, war der Schweizer Fahrstil: Die meisten Verkehrsteilnehmer fuhren in der Stadt wenn Tempo 50 erlaubt war, tatsächlich auch genau 50, wobei viele in Deutschland bei 50 ja gern um die 65 kmh fahren. Auch auf Autobahnen fuhren sie bei Tempo 100 maximal 105 - wahrscheinlich wegen der vielen Blitzer und hohen Strafen.
Dagegen verhielten sich einige Schweizer Autofahrer an Zebrastreifen unmöglich. Mehr als einmal ist es mir passiert, dass ich mit zwei Kindern an der Hand am Zebrastreifen stehe - und das Auto rast vorbei. Das macht mich jedes Mal einfach wahnsinnig wütend.

Ein ungewohntes Bild: Kindergarten-Kinder überqueren allein die Strasse

Denn hinzu kommt: Hier ist es normal, dass bereits Vierjährige in kleinen Kindergruppen oder auch allein auf der Strasse unterwegs sind. Die Eltern werden sogar ermuntert, ihre Kinder mit Eintritt in den Kindergarten (die offizielle Vorschule, die zwei Jahre vor der Einschulung beginnt), allein den Weg bewältigen zu lassen. Auch Elisa kam hier also im Februar mit knapp fünf Jahren in die Vorschule. Schon am vierten Tag meinte sie, sie möchte allein in den Kindergarten gehen, das sei cool. Dazu musste sie etwa 300 m eine viel befahrene Strasse auf dem Gehweg entlang gehen und danach in eine kleinere Strasse abbiegen. In einer Kurve dieser Strasse liegt der Übergang zum Kindergarten, aufgezeichnet mit zwei kleinen Füsschen am Boden. Kein Schild "Achtung Kinder" und kein Zebrastreifen. Der sei zu teuer gewesen. Dieses Argument erstaunte mich als Neubürgerin in der Schweiz. Also schlich ich die ersten Male heimlich hinter Elisa her, bis sie sicher die Strasse überquert hatte. Noch schlimmer war es, auf sie zu warten, wenn der Kindergarten um zwölf zu Ende ging. Wenn sie um viertel nach zwölf noch nicht zuhause war, nahm ich das kochende Essen vom Herd und lief ihr - mit ihrem Babybruder auf dem Arm - entgegen.
Natürlich gingen mir auch Gedanken durch den Kopf, dass jemand sie einfach in ihr Auto ziehen könnte. Solche furchtbaren Dinge passieren ja aber glücklicherweise äusserst selten. Und können einer Neunjährigen leider ebenso gut passieren wie einem Kindergarten-Kind.

Wie manche Eltern andere Kinder gefährden

Was mich auch hier allerdings wieder sehr ärgert sind einige Eltern, die ihre Zuckerkinder bis vor den Kindergarten kutschieren. Klar, das habe ich auch schon gemacht, weil wir zu spät dran waren, oder es wie wahnsinnig gehagelt hat. Aber: Ich hielt dann kurz auf einem Anwohnerparkplatz und nicht, wie andere Eltern, direkt vor den auf der Strasse markierten Füssen. Dies hat nämlich zur Folge, dass die Kinder, die die Strasse überqueren wollen, plötzlich direkt hinter diesem Auto auftauchen. Sie können ja nicht den von links kommenden Verkehr einsehen, weil sie zu klein sind. Und was passiert, wenn in dem Moment ein Auto das parkende Fahrzeug überholt? Ich mag es mir nicht ausmalen. Mehrmals habe ich entsprechende Mütter angesprochen, wenn ich zufällig meine Tochter zum Kindergarten begleitete und eben dies passiert ist. "Ist ja nur eine Ausnahme", war die häufigste Antwort. Ich rief daraufhin bei der Polizei an und bat sie um häufigere Kontrollen. Wenn es um die Sicherheit der Kinder im Strassenverkehr geht, werde ich echt zum Spiesser.

Mehr Freiheit und Verantwortung für die Kinder

Mittlerweile - Elisa ist jetzt in der ersten Klasse - bin ich entspannt und finde es auch gut, dass die Kinder hier noch gewissen Freiraum haben und nicht wie in Eppendorf ständig von Mami und Papi kutschiert werden, auch wenn es mit dem Fahrrad war. Ihr Bruder kommt 2018 in den Kindergarten, er ist dann gerade vier geworden. Noch kann ich mir nicht vorstellen, dass er dann reif genug ist, den Weg allein zu gehen. Aber mit viereinhalb sollte er hoffentlich so weit sein. .

1 Kommentar:

  1. Unsere Große, die ebenfalls gerade 4 1/2 Jahre alt ist, möchte auch gerne alleine in den Kindergarten gehen. Ich antworte dann immer, dass sie das erst darf, wenn sie in die Schule kommt (dann wird der Weg auch kürzer sein). Zumal sie sowieso nicht von alleine die kindersicheren Türen der Kita öffnen kann ;-)
    Vielen Dank für Deinen Beitrag. Er ist aufgenommen!
    LG Wiebke

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